Jungle+ Artikel 04.12.2025
‍Feministische Konzeptkunst – eine Ausstellung in Luxemburg würdigt das Werk von Eleanor Antin

Die Inszenierung des Selbst

Eleanor Antin schlüpfte in immer neue Rollen. In einer großen Retrospektive würdigt das Luxemburger Mudam die Pionierin der feministischen Konzeptkunst.

Wer in diesen Tagen das Museum für zeitgenössische Kunst in Luxemburg – kurz: Mudam – betritt, erblickt in der Haupthalle eine Reihe schwarzer Gummistiefel, die sich über die Treppe ins Untergeschoss schlängelt. Die Installation »100 Boots« (1971–73) bildet den Auftakt der Retrospektive mit Arbeiten der US-amerikanischen Künstlerin Eleanor Antin. Es ist nicht nur ihre wohl bekannteste Arbeit, sondern auch ein Schlüsselwerk der Konzeptkunst.

Im Untergeschoss des Museum ist die seinerzeitige Reise der Stiefel-In­stallation von Kalifornien nach New York City dokumentiert. 51 Fotopostkarten umfasst die Serie, die die Stiefel an verschiedenen Orten auf dem Weg zeigt. Antin hatte die Karten in den Jahren von 1971 bis 1973 an rund 1.000 Künstler, Schriftsteller, Institutionen und andere Empfänger verschickt. Die Aktion verstand sie als Zeichen der Solidarität mit der Bewegung gegen den Vietnam-Krieg.

Antin ist eine der wichtigsten Vertreterinnen der Konzeptkunstbewegung der siebziger Jahre und eine Pionierin feministischer Kunst. Ihre multidisziplinäre Arbeitsweise reicht von Film- und Videoinstallationen über Malerei, Zeichnung, Poesie und Fotografie bis zur Performance. Die Vielschichtigkeit ihres Werkes, das retrospektiv bisweilen etwas altmodisch, doch stets erfrischend (selbst)ironisch wirkt, wird den Be­sucher:in­nen beim Gang durch die Schau deutlich.

Antin, die ihre Ablehnung von Hausarbeit und geregeltem Leben in Tagebucheinträgen und auf Tonband dokumentierte, begann sehr früh damit, die Konzeptkunst durch narrative Phantasie sowie autobiographische Elemente zu erweitern.

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