Die neue Autofahrer-Partei
Die Grünen kamen schon zu erfreulicheren Zeiten zusammen als bei der Bundesdelegiertenkonferenz – dem Bundesparteitag – in Hannover am Wochenende. Bei der Bundestagswahl Anfang des Jahres hatten sie gut drei Prozentpunkte verloren. Derart geschwächt kamen sie nicht mehr als Partner für eine Regierungskoalition in Frage und es zeigte sich erneut, dass sie die großen politischen Verlierer der Krisen der vergangenen Jahre sind. Noch 2021 hatten Umfragen und Medienberichte das Hochgefühl befeuert, die neue Volkspartei zu sein, und die Grünen traten mit Annalena Baerbock als Kanzlerkandidatin zu den Bundestagswahlen an. Längst hatten sie sich aus der Lagerbindung an die SPD befreit, in den Ländern konnten sie seither auch mit der CDU koalieren.
Vier Jahre später sind die Grünen eine beliebte Zielscheibe rechter und rechtsextremer Kulturkämpfer von Union bis AfD. Das von diesen mit aller Kraft verbreitete Image der Verbots- und Umerziehungspartei hat in weiten Teilen der Bevölkerung Anklang gefunden. Keine demokratische Partei wird so gehasst wie die Grünen. Nachdem die Partei 2024 schon in Brandenburg und Thüringen aus den Landtagen geflogen war, droht ihr im nächsten Jahr in Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen-Anhalt das gleiche Schicksal.
Zudem muss sie in Baden-Württemberg ihre Position verteidigen, wo Ministerpräsident Winfried Kretschmann, das erste und bisher einzige grüne Oberhaupt einer Landesregierung, nicht mehr kandidiert. Das wird keine leichte Aufgabe für eine Partei, die als Vertretung ökologischer Interessen auftritt, in einem Bundesland, das von der Krise der deutschen Automobilindustrie besonders betroffenen ist.
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