Neoliberale Tragödie
Es gibt eine Actionszene in Michael Manns »Heat«, die zweifelsohne zu den eindrucksvollsten der Filmgeschichte zählt. Und das liegt nicht nur an der meisterhaften Inszenierung. Es ist der Sound, der in den insgesamt zwölf Minuten eine Drohkulisse aufbaut, die durch Mark und Bein geht.
Im Zentrum des Films steht eine von Neil McCauley (Robert De Niro) angeführte Bande, die gerade ihren letzten, von langer Hand geplanten Raub begeht. In Los Angeles überfällt sie eine Bank, in der sie zwölf Millionen US-Dollar zu erbeuten hoffen. Der Überfall verläuft zunächst reibungslos. McCauley und seine Kollegen Chris Shiherlis (Val Kilmer) und Michael Cheritto (Tom Sizemore) marschieren in die Bank und warten den richtigen Moment ab, um sich ihre Sturmhauben überzuziehen und die Wachleute mit den in ihren Taschen versteckten Maschinengewehren zu überwältigen.
Mit dem Schlüssel des Bankdirektors verschaffen sie sich Zutritt zum Tresor. Shiherlis stülpt die drei mitgebrachten Stofftaschen wie eine Haube über die riesige Menge gestapelter Geldscheine. Hier sind Profis am Werk, jeder Handgriff sitzt. In wenigen Minuten ist der Spuk vorbei.
Der Film wechselt plötzlich seinen Ton. Oder wie es der Filmkritiker Nick James treffend formulierte: »Der Film ähnelt nun eher einem Kriegsfilm oder einem Western als einer Krimi-Saga.«
Auf dem Weg zu ihrem Fluchtauto werden sie von mehreren Beamten des LAPD unter der Leitung von Lieutenant Vincent Hanna (Al Pacino) aufgehalten – ein Informant gab der Polizei den Hinweis auf den Bankraub. Ohne zu zögern, eröffnen die Gangster mit ihren Maschinengewehren das Feuer, um sich den Fluchtweg freizuschießen. Der knatternde Lärm der Gewehrsalven, der sich fortan in den Häuserschluchten breitmacht, ist von furchteinflößender Intensität.
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