11.12.2025
Die furiose Hardcore-Band SNFU und ihre Fans

Der analoge Mann

Aus Kreuzberg und der Welt: Papas Shirt

Letztens beim Porträtzeichnen im »The Castle«. In der Pause stehen wir auf und gucken uns die Werke der anderen an. Plötzlich sehe ich, dass eine Frau das gleiche SNFU-T-Shirt trägt wie ich.

Nein, sie trägt das Shirt als Long Sleeve, aber mit dem identischen Design und Schriftzug. Vorn bedruckt mit dem Logo – den überein­andergestapelten Lettern –  und hinten mit dem Slogan »Open Your Mouth and Say … SNFU«.

Ein nur mit dem Buchstabenlogo bedrucktes T-Shirt kaufte ich, als die gleichnamige kanadische Gruppe 1988 in der »Fabrik« in Hamburg spielte.

Das meint: Society’s No Fucking Use! Ein nur mit dem Buchstabenlogo bedrucktes T-Shirt kaufte ich, als die gleichnamige kanadische Gruppe 1988 in der »Fabrik« in Hamburg spielte. SNFU waren eine furiose Hardcore-Band.

Sänger Chi Pig sprang auf der Bühne gefühlt drei Meter hoch. Leider brannte er zu früh aus, hatte psychische Pro­bleme, wurde drogenabhängig und zeitweise obdachlos. Der Dokumentarfilm »Open Your Mouth and Say … Mr. Chi Pig« über das Leben des Musikers, in dem er ausführlich zu Wort kommt, erschien 2009. Mr. Chi Pig, eigentlich Kendall Steven Chinn, starb 2020 mit 57 Jahren.

Stark ausgeblichen

Heute ist dieses SNFU-T-Sirt, wie die meisten meiner alten Punk-Shirts, sehr stark ausgeblichen. Ich habe es zu oft getragen und zu oft gewaschen. In gutem Zustand ist so ein Original-T-Shirt heute übrigens manchmal mehrere Hundert Euro wert. Vor zwei Jahren habe ich mir bei »Core Tex« ein neues SNFU-Shirt mit dem alten Design gekauft. Das ist, im Unterschied zu meinem alten Shirt aus den Achtzigern, aus reiner Baumwolle. Es sieht frisch aus und ich trage es gern, auch weil ich ein bisschen stolz darauf bin, dass ich wieder in meine alte Größe S passe.

»SNFU! Wir haben das gleiche T-Shirt an!« sage ich zu der Frau und zeige auf mein Shirt. »Oh. Ja, stimmt«, stellt sie fest. »Super Band, oder? Ich hab die 1988 gesehen«, sage ich und sie: »Ich hab mir die bei Spotify angehört. Das Shirt ist von meinem Papa.«