Die Verstrickungen der Bekleidungsindustrie
Lange herrschte in der Bevölkerung wie auch in der Forschung (sofern es sie überhaupt gab) ein verzerrtes Bild der Rolle deutscher Frauen im Nationalsozialismus. Sie wurden oft als instrumentalisiert, unterdrückt und passiv ertragend verstanden. In der Ausstellung »Privathandtaschen dürfen im Außendienst nicht mitgetragen werden« im Württembergischen Kunstverein Stuttgart präsentiert die Künstlerin Dominique Hurth nun ihr langjähriges künstlerischen Forschungsprojekt über NS-Täterinnen, das ein anderes Bild zeichnet.
Ausgangspunkt ist das Konzentrationslager Ravensbrück in Brandenburg. Es war das größte seiner Art für Frauen und die zentrale Ausbildungsstätte von weiblichem Wachpersonal. Ab 1940 diente das Lager als einziger Produktionsort der Gesellschaft für Textil- und Lederverwertung mbH (Texled), die als SS-Unternehmen für Textilproduktion gegründet wurde und Häftlingskleidung sowie Uniformen herstellen ließ. Schneiderei, Stickerei und Spinnerei waren Orte weiblich konnotierter Arbeit.
Dass die Künstlerin ihren Schwerpunkt auf Ravensbrück legt, ermöglicht ihr, neben ihrer Auseinandersetzung mit der Figur der Aufseherin die Verstrickungen der Bekleidungs- und Textilindustrie in die NS-Gewaltherrschaft zu analysieren.
Dass die Künstlerin ihren Schwerpunkt auf Ravensbrück legt, ermöglicht ihr, neben ihrer Auseinandersetzung mit der Figur der Aufseherin die Verstrickungen der Bekleidungs- und Textilindustrie in die NS-Gewaltherrschaft zu analysieren. Sie knüpft so an ihre vorherige Ausstellung »Maschinen dröhnen, Nadel schleppt den Faden, scharfes Messer glänzt, schneidet entzwei und sticht« an, die bis Oktober 2025 in der ehemaligen Weberei der Mahn- und Gedenkstätte Ravensbrück gezeigt wurde.
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