Der Professor und die Liste
Julien Théry, Professor für mittelalterliche Geschichte an der Universität Lyon 2, wurde suspendiert, nachdem seine heftigen antisemitischen Ausfälle in den sozialen Medien bekannt geworden waren. Alles begann Ende November, als die Internationale Liga gegen Rassismus und Antisemitismus (Licra) einen Facebook-Beitrag von Théry dokumentierte.
Darin bezeichnete er die Unterzeichner – überwiegend jüdische Personen – eines offenen Briefs an Präsident Emmanuel Macron, in dem dieser aufgefordert wurde, von einer bedingungslosen Anerkennung eines palästinensischen Staats abzusehen, als »Völkermörder, die unter allen Umständen boykottiert werden sollten«.
»Man kann Geschichtsprofessor an einer Universität sein, sich selbst als progressiv betrachten und Listen erstellen, wie sie unter der Besatzung üblich waren«, kommentierte die Licra.
Dieser Beitrag richtete sich an die Zuschauer von »La grande H.«, einer Sendung, die er auf Le Média TV moderiert. Le Média ist ein Medienunternehmen, das von Sophia Chikirou, der Partnerin von Jean-Luc Mélenchon, gegründet wurde und ideologisch der linkspopulistischen Partei La France insoumise (Das unbeugsame Frankreich) nahesteht. Théry ist dessen Generaldirektor.
»Man kann Geschichtsprofessor an einer Universität sein, sich selbst als progressiv betrachten und Listen erstellen, wie sie unter der Besatzung üblich waren«, kommentierte die Licra. Nach dieser Stellungnahme hielt es der Historiker, der wenige Wochen zuvor einen Text verfasst hatte, in dem er die Existenz von linkem Antisemitismus als »große Fake News« bezeichnet hatte, für ratsam, all seine Anhänger zum Unterzeichnen einer Petition aufzurufen.
Angebliches Opfer eines »französischen McCarthyismus«
Er sah sich selbst als Opfer eines »französischen McCarthyismus«. Diese Initiative schlug jedoch schnell fehl, als bekannt wurde, dass Théry seit Jahren, insbesondere seit dem 7. Oktober, eine beeindruckende Menge an antisemitischen Inhalten veröffentlicht, geteilt und sich geweigert hatte, diese zu moderieren.
Das wohl bekannteste Beispiel ist das Bild eines Juden mit Hakennase, der einer Frau mit einer palästinensischen Flagge die Taschen leert; Bildunterschrift: »Gott hat mir diese Brieftasche versprochen.« Théry berief sich auf einen isolierten »Irrtum«, obwohl es zahlreiche andere Beispiele gibt, darunter nichtmoderierte Videos des antisemitischen Komikers Dieudonné oder des Nazis Alain Soral.
Théry »ist nicht antisemitisch, ist es nie gewesen und wird es nie sein«, sagte Mélenchon in seiner Anhörung vor dem parlamentarischen Untersuchungsausschuss zu den Verbindungen zwischen politischen Parteien und Islamismus. Man bekommt die Unterstützung, die man verdient.