Dünn sein für sich selbst
Sie werden immer jünger: Mädchen und junge Frauen, die an einer Essstörung leiden. Nach Angaben des Statistischen Bundesamts hat sich die Zahl der wegen Essstörungen stationär im Krankenhaus behandelten Mädchen und Frauen im Alter von zehn bis 17 Jahren binnen 20 Jahren verdoppelt. Im Jahr 2003 waren demnach 3.000 Patientinnen in dem Alter aufgrund einer entsprechenden Diagnose in Behandlung; im Jahr 2023 waren es 6.000. 2003 machten Zehn- bis 17jährige noch 23,4 Prozent aller wegen Essstörungen behandelten Patientinnen aus, im Jahr 2023 waren es mit 49,3 Prozent knapp die Hälfte.
Aber auch ohne Essstörung sind Ernährung und die eigene Figur ein Thema, von dem sich fast keine Frau freimachen kann. Kontrolliertes Essen nennt man das, wenn alle Gedanken ums Essen kreisen, wenn beim Essen nicht der Genuss im Vordergrund steht, sondern die Anzahl der Kalorien, die man zu sich nimmt. Unter dem Hashtag »Skinnytok« auf besonders bei Jugendlichen beliebten Plattform Tiktok findet man diese Haltung in Reinkultur.
Angeblich geht es beim »Skinnytok«-Trend nicht darum, sich etwas zu versagen, sondern nur darum, seine Portionen zu verkleinern und auf emotional stimuliertes Essen zu verzichten.
Dort ist nicht nur Thema, weniger zu essen, sondern zudem, eine bestimmte Einstellung zur Nahrung zu entwickeln, das »skinny girl mindset«. Angeblich geht es nicht darum, sich etwas zu versagen, sondern nur darum, seine Portionen zu verkleinern und auf emotional stimuliertes Essen zu verzichten: also nur dann zu essen, wenn man wirklich hungrig ist, und nicht aus Frust oder Langeweile. Das Ziel dabei ist aber nicht, ein Sättigungsgefühl zu erlangen (oder zuvor ein Hungergefühl zu empfinden) – was viele ja tatsächlich verlernt haben –, sondern den Appetit zu überwinden und abzunehmen.
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