Jungle+ Artikel 18.12.2025
Die filtergetrübte Selbstwahrnehmung

Trotzdem schön

Noch nie hat die künstliche Ummodellierung des Gesichts im Dienste von Schönheitsidealen so floriert und war so niedrigschwellig zugänglich wie heute mit sogenannten Beauty-Filtern auf Plattformen wie Instagram oder Tiktok. Der Natürlichkeitstrend, den Superstars wie Pamela Anderson oder Alicia Keys befördern, steht dazu nur scheinbar im Widerspruch.

Als Pamela Anderson im September 2023 ungeschminkt auf dem roten Teppich der Paris Fashion Week erschien, war das eine kleine Sensation: Eine Ikone des Silikonzeitalters – das Sinnbild perfektionierter Weiblichkeit der Neunziger – trat ohne Make-up vor die Kameras. Der »Baywatch«-Star wird seither von vielen in der Modewelt als Symbol einer neuen Authentizität gefeiert. Dabei ist Pamela Anderson, heute 58 Jahre alt, bei weitem nicht die erste Berühmtheit über 50, die sich stolz zu ihrem »bare face« bekannt hat.

In den vergangenen zehn bis 15 Jahren haben zahlreiche weibliche Stars öffentlich betont, sich oft oder ganz bewusst ungeschminkt zu zeigen – so häufig, dass von einer No-Make-up-Bewegung die Rede war. Ob die Sängerin Alicia Keys, die 2016 über ihre Entscheidung ein vielbeachtetes Essay veröffentlichte, oder der Designer Marc Jacobs, der 2014 seine Models ohne Make-up über den Laufsteg schickte – viele Prominente setzen sich für ein anderes Bild von Schönheit ein, ebenso wie die Schauspielerinnen Kate Winslet, Keira Knightley, Isabella Rossellini oder Jennifer Aniston, die darauf bestanden, dass Hochglanzmagazine ihre Bilder ohne Retuschierungen abdruckten.

»Bold Glamour« gilt als technische Referenzgröße: Der Filter funktioniert nahezu latenzfrei, ohne sichtbare Fehler und wirkt weniger wie ein Effekt – eher wie eine alternative, bessere Version der Realität.

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