Der Verzicht auf den schönen Schein
Dandys verschiedener Epochen und Klassenzugehörigkeit: Lord Byron, Adelsspross und romantischer Dichter, beim Rauchen einer Wasserpfeife (1816, l.) und David Byron, Sohn eines Druckers und Sänger von Uriah Heep, bei einem Konzert 1972
Mode, Moden, modisch – all dem eignet im deutschen Sprachraum etwas Abschätziges: Der vom lateinischen modus, also der Art und Weise, etwas zu tun, abgeleitete Wortstamm signalisiert Oberflächlichkeit, Inkonstanz und Ablenkung vom Wesentlichen, das zu bestimmen jahrhundertelang Priestern, Philosophen und allerlei interessierten Zuchtmeistern oblag.
Nun gibt es Moden für Verschiedenes, was mit Genuss zu tun hat, wozu ja auch Nahrung und Unterkunft gehören; gibt es etwas Neues (Gewürze) und/oder etwas Vertrautes in zuvor ungewohnter Menge (wie ab dem Mittelalter Glas), wird es im besten Sinne des Wortes zum Spielzeug – man probiert damit herum, um sich Genuss zu verschaffen und um seine Mitmenschen zu beeindrucken. Das heftigste Verdikt des aufkommenden Protestantismus und seiner Vorläufer galt jedoch nicht so sehr den verfeinerten Möglichkeiten des Essens und Wohnens, sondern konzentrierte sich auf das, was die Alltagssprache mit Mode nahezu synonym setzt: die Selbstdekoration. Sie umfasst die Textilien, Schmuck und die Haar- und Hautdekoration, für die insbesondere jene Körperpartien, die nicht bedeckt sind, mit Farbe und Trimmwerkzeugen (Kamm, Schere, Pinzette) bearbeitet werden.
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