18.12.2025
Trumps Nationale Sicherheitsstrategie richtet sich gegen westliche Bindungen

Spirituelle Gesundheit

Trumps National Security Strategy (NSS) vermischt ökonomisch-nationalistische Hegemonial­ansprüche mit ideologischen Zielen – in der Außenpolitik vor allem die EU betreffend, während etwa den Monarchen der Golfregion explizit zugesichert wird, man werde ihre »Traditionen« respektieren.

Jährlich eine National Security Strategy (NSS) zu erstellen, war bislang für US-Präsidenten eher eine lästige Pflicht. Denn das Dokument ist eigentlich für den Kongress bestimmt, der etwas über die außenpolitischen Ziele und Pläne des Präsidenten erfahren soll, und wurde dementsprechend unambitioniert erstellt.

Unter Donald Trump ist natürlich alles anders. Seine kürzlich vorgestellte NSS ist an die Weltöffentlichkeit gerichtet. Mit rund 30 Seiten zu lang, um von Trump gelesen oder gar geschrieben worden zu sein, fasst sie noch einmal sein Weltbild zusammen; als Autor gilt sein Berater Michael Anton, der in seinem Buch »The Stakes« 2020 einen »Caesarismus«, eine »Form der Ein-Mann-Herrschaft (…) auf halbem Weg zwischen Monarchie und Tyrannei«, befürwortete und den rücksichtslosen Einsatz staatlicher Macht in der internationalen Politik empfiehlt.

In aller Welt liest man nun besorgt, was einem drohen könnte. So erhebt Trump exklusive Ansprüche auf die westliche Hemisphäre, vor allem Mittel- und Südamerika, wo es gelte, »Alleinverträge für unsere Unternehmen« durchzusetzen. Kaum verklausuliert wird mit »Förderung des Widerstands gegen den derzeitigen Kurs Europas« die Unterstützung rechtsextremer Parteien in der EU propagiert, um die »zivilisatorische Auslöschung« Europas abzuwenden. All­gemein postuliert das Dokument den absoluten Vorrang des Nationalstaats und wendet sich »gegen die souveränitätsunterminierenden Übergriffe der aufdringlichsten transnationalen Organisationen«.

Als Autor von Trumps neuer National Security Strategy gilt sein Berater Michael Anton, der einen »Caesarismus«, eine »Form der Ein-Mann-Herrschaft auf halbem Weg zwischen Monarchie und Tyrannei«, befürwortet.

Das Bizarre an diesem Dokument ist die Vermischung ökonomisch-nationalistischer Hegemonial­ansprüche mit ideologischen Zielen – in der Außenpolitik vor allem die EU betreffend, während etwa den Monarchen der Golfregion explizit zugesichert wird, man werde ihre »Traditionen« respektieren. Dahinter steht das Ziel, die EU als einzigen machtpolitisch relevanten Bund demokratischer Staaten zu zerstören, aber auch so etwas wie eine transatlantische Wertegemeinschaft der patriarchal-reaktionären white supremacy zu bilden.

Da ist es nur konsequent, Abweichungen vom trumpistischen Weltbild auch in den USA selbst zur Gefahr für die nationale Sicherheit zu erklären. Diese sei langfristig unmöglich ohne »die Wiederherstellung und Wiederbelebung der spirituellen und kulturellen Gesundheit Amerikas«, ohne »ein Amerika, das seine vergangenen Erfolge und Helden schätzt und sich auf ein neues Goldenes Zeitalter freut«; das wiederum könne »nicht ohne eine wachsende Zahl starker, traditioneller Familien erreicht werden, die gesunde Kinder großziehen«.

Zum Glück hat Trump erst den Status eines improvisierenden Möchtegern-Autokraten, der noch längst nicht alle Hindernisse auf dem Weg zur Tyrannei beseitigt hat. Kann er nicht gestoppt werden, dürfte die Schwelle dafür, um als Gefahr eingestuft zu werden, noch sinken. Dann müsste man gar nicht mehr der Antifa angehören, sondern es könnte genügen, sich nicht hinreichend über das neue Goldene Zeitalter zu freuen.