Sieben Jahre Haft bestätigt
In diesen Tagen wäre Christophe Gleizes, befände er sich denn in Freiheit, in seinem Element gewesen, denn der Afrika-Cup, die kontinentale Fußballmeisterschaft der Männer, wird derzeit in Marokko ausgetragen. Fußball und Afrika, das waren Gleizes’ Themen als Sportreporter.
Sicherlich hätte er, wie auch viele lokale und internationale Medien von marokkanischen Facebook-Seiten bis zum Sender France 24, bemerkt, dass es trotz starker geopolitischer Rivalität zwischen den beiden Regionalmächten Marokko und Algerien zu ausufernder Fraternisierung zwischen den Fans beider Länder kam und kommt. Egal, was die offizielle Politik etwa in Algier dazu sagt.
Trotz starker geopolitischer Rivalität zwischen den beiden Regionalmächten Marokko und Algerien kam und kommt es beim Afrika-Cup zu ausufernder Fraternisierung zwischen den Fans beider Länder.
Doch der 36jährige Gleizes, der im südfranzösischen Agen geboren wurde, einen Teil seiner Jugend aber in Zimbabwe verbracht hat, sitzt in algerischer Haft. Am 29. Juni war der Sportjournalist im algerischen Tizi Ouzou zu sieben Jahren Gefängnis verurteilt worden, wegen Unterstützung von Terror und Separatismus.
Anlass dazu waren Gleizes’ Recherchen im Umfeld des berberischen Sportclubs Jeunesse sportive de Kabylie (JSK). Manche von dessen Aktiven unterstützen die separatistische Bewegung MAK (Mouvement pour l’autodétermination de Kabylie).
Das harte Urteil kam für Gleizes völlig überraschend. Am 3. Dezember wurde das Strafmaß in der Berufungsinstanz bestätigt, was noch überraschender war. Zumal es zuvor Anzeichen von Milde zu geben schien: Gleizes’ Mutter, Stiefvater und Freundin hatten Visa erhalten und zum Berufungsprozess anreisen dürfen, ebenso sein französischer Anwalt Emmanuel Daoud. Nun hofft die Familie auf eine Begnadigung durch Algeriens Staatspräsident Abdelmadjid Tebboune, die Mutter hat ihn offiziell und schriftlich darum gebeten.
Während des Prozesses im Dezember zeigten neben der NGO Reporter ohne Grenzen auch wichtige Fußballverbände, die sich bislang diskret zurückhielten, Solidarität mit dem angeklagten Sportjournalisten. Selbst der Weltverband Fifa, eigentlich immer auf gutem Fuß mit autoritären Regimen stehend, war durch einen seiner höchsten Funktionäre, den französischen Betriebsdirektor Kevin Lamour, vertreten.