Jungle+ Artikel 08.01.2026
Beim Gedenken an ­die in Spanien unter Franco ermordeten Gewerkschafter:innen

89 Jahre im Massengrab

In der Schlucht Barranco de Víznar werden die sterblichen Überreste von Opfern der franquistischen Repression exhumiert und identifiziert. Eine Gedenkveranstaltung für vier ermordete Anarchistinnen und Gewerkschafter zeigt, wie spät Spanien die Verbrechen von 1936 aufarbeitet und dass der Kampf um Erinnerung und Anerkennung anhält.

Vier schlichte hölzerne Kisten, darauf Schatullen mit verwitterten Knöpfen, verrosteten Gürtelschnallen sowie weiteren Schmuck- oder Kleidungsfragmenten – und vier Namen: Carmen Rodríguez Parra, José Raya Hurtado, Francisco Soriano López und José García Esteban.

Sie wurden zwischen August und Dezember 1936 in der Nähe der südspanischen Provinzhauptstadt Granada von den faschistischen Falangisten ermordet. Vorausgegangen war der erfolgreiche Militärputsch in Granada im Juli unter der Ägide von Francisco Franco Bahamonde, der eine systematische Jagd auf Republikanerinnen, Gewerkschafter und Intellektuelle der Stadt und Region zur Folge hatte.

In nahezu jeder Stadt und in fast jedem Dorf kam es zu Massen­morden. Verfolgung und Hinrichtungen dauerten noch Jahre nach Ende des Bürgerkriegs 1939 an.

Jenen vier Menschen wurde ihr politisches und gewerkschaftliches Engagement für die Zweite Republik zum Verhängnis. Am Abend des 19. Dezember standen sie nun im bis zum letzten Platz gefüllten Festsaal der Jugendherberge von Víznar im Mittelpunkt eines Gedenkakts. Ihre sterblichen Überreste waren zuvor im Rahmen des archäologischen Projekts »Barranco de Víznar. Lugar de Memoria« der Universität Granada geborgen und genetisch identifiziert worden. Die Männer waren Mitglieder der sozialistischen Gewerkschaft Unión General de Trabajadores (UGT); Carmen Rodríguez Parra, bekannt als Madre Carmela, engagierte sich in der anarchosyndikalistischen Confede­ración Nacional del Trabajo – Asociación Internacional de los Trabajadores (CNT–AIT).

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