Jungle+ Artikel 08.01.2026
Sergio Bologna, operaistischer Intellektueller, im Gespräch über Giorgia Melonis Aufstieg

»Berlusconi ebnete der extremen Rechten den Weg«

Seit Oktober 2022 amtiert die rechtsextreme Politikerin Giorgia Meloni als Ministerpräsidentin in Italien. Die »Jungle World« sprach mit dem operaistischen Intellektuellen Sergio Bologna über die historischen Hintergründe des Aufstiegs Melonis und ihrer rechtsex­tremen Partei Fratelli d’Italia.

Italien war immer wieder ein politisches Laboratorium – vom historischen Faschismus über die Bewegungen der sechziger Jahre bis zur Ära Berlusconi. Das Land war stets an der Spitze politischer Entwicklungen. Du sagst, Silvio Berlusconi, viermaliger Ministerpräsident zwischen 1994 und 2011, sei auch der »Türöffner« der heutigen postfaschistischen Kräfte gewesen. Warum?
Italien ist das erste Land Westeuropas mit einer rechtsextremen Regierung. Ministerpräsidentin ist eine Frau – Giorgia Meloni –, Vorsitzende der Partei Fratelli d’Italia. Sie regiert in einer Koalition mit zwei populistischen Parteien: der Lega (früher Lega Nord; Anm. d. Red.) und Forza Italia. Meloni trat zum ersten Mal in ein Kabinett ein, als sie in der letzten Regierung Berlusconi (Mai 2008 bis November 2011) das Amt der Jugendministerin übernahm. Doch schon Berlusconis erstes Kabinett, im Mai 1994 gebildet, bestand aus einer Koalition, an der auch die rechtsextreme Alleanza Nazionale beteiligt war.
Berlusconi war es also, der der extremen Rechten den Weg in die Regierung ebnete. Er war es auch, der Giorgia Meloni zu einer national bekannten Politikerin machte. In gewisser Weise ist sie seine politische Schöpfung. Er nutzte sie sogar, um Gianfranco Fini – bis etwa 2010/2011 der anerkannte Führer der italienischen Rechten – aus dem Weg zu räumen.

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