Jungle+ Artikel 15.01.2026
Arash Azizi, Historiker, im Gespräch über das mögliche Ende der Islamischen Republik Iran

»Alle warten darauf, dass Khamenei stirbt«

Der Autor und Historiker Arash Azizi sprach mit der »Jungle World« über die Protestwelle im Iran, seine Kritik an der monarchistischen Exil­opposition um Reza Pahlavi und darüber, warum er überzeugt ist, dass die Tage der Islamischen Republik in ihrer jetzigen Form gezählt sind.

Als wir vor rund fünf Jahren zuletzt miteinander sprachen, waren viele Iranerinnen und Iraner frustriert davon, wie schlecht die Regierung mit der Covid-19-Pandemie umging. Wie hat sich der Alltag im Iran seitdem entwickelt?
Er hat sich in praktisch jeder vorstellbaren Hinsicht verschlechtert. Diese jüngste Protestwelle begann unter anderem wegen des rapiden Wertverfalls des iranischen Rial. Vor ein paar Wochen lag der Wechselkurs zeitweise bei 1,6 Millionen Rial für einen US-Dollar. Noch vor einem Jahr waren es etwa 600.000, als wir 2021 gesprochen haben, waren es vermutlich 300.000 oder 400.000 Rial. Das ist nur ein Indikator dafür, wie dramatisch sich die wirtschaftliche Lage verschlechtert hat.
Hinzu kommen mittlerweile regelmäßige Stromausfälle, die es früher so nicht gab. Die Wasserkrise existiert schon länger, aber inzwischen kommt es tatsächlich zu Wasserabschaltungen. Der iranische Präsident Masoud Pezeshkian sagte – sicher übertrieben, aber dennoch –, man müsse die Hauptstadt Teheran wegen des Wassermangels womöglich evakuieren.

»Die Proteste entstehen meist spontan, und es gibt keine wirklich organisierten Netzwerke, keine kohärente Führung, die sie zu einer politischen Bewegung bündeln könnte.«

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