Jungle+ Artikel 15.01.2026
Der gefährlichste Stadtteil Medellíns wurde zum Touristenmagneten

Treppen, Touristen, Traumata

Einst beherrschten staatliche Gewalt und paramilitärische Gruppen das Viertel, nun sprühen Graffiti-Künstler bunte Motive und Touristen füllen die Gassen und Souvenirläden: Der Wandel des Stadtteils Comuna 13 in Medellín ist offensichtlich. Hinter der bunten Fassade wird die Frage nach Gerechtigkeit, verschwundenen Menschen und der Rolle des Staats aufgeworfen.

Medellín. »Es sind die Treppen«, beantwortet Luis seine eigene Frage, was uns denn hier in der Gegend als Erstes aufgefallen sei. Wir laufen in einer Gruppe von etwa 15 zumeist deutschen Touristen eine steile Straße hinauf. San Javier, besser bekannt als Comuna 13, ist einer der 16 Stadtteile Medellíns. Das hochgelegene Viertel im Westen der zweitgrößten Stadt Kolumbiens mit seinen etwa 160.000 Einwohnern hat sich innerhalb von zwölf Jahren von einer der gefährlichsten Gegenden der Welt zum Tourismusmagneten entwickelt. Und tatsächlich sieht man überall Treppen. Medellín, dessen Zentrum im Aburrá-Tal in den Anden gelegen ist, wird umschlungen von steilen Hängen.

Die dortigen Wohngegenden zu erreichen, war noch nie einfach. »Früher bedeutete es Armut, weit oben an den Hängen zu wohnen, heute entwickelt sich der Trend umgekehrt«, erzählt Luis. Die Viertel werden immer weiter erschlossen und somit auch die Comuna 13. Zuerst kamen die Treppen, dann die Freiluft-Rolltreppen und die Seilbahn der Linie J des Metrocable-Systems, die das Zentrum der Stadt mit den Wohngebieten an den westlichen Hügeln verbindet. Vor einigen Jahren wäre es unmöglich gewesen und noch heute raten die Reiseführer und manche Website davon ab, das Viertel ohne Guide zu besuchen, insbesondere am Abend.

Medellín galt schon immer als stra­te­gischer Punkt im Handel mit Kokain und Waffen, auch weil hier die Route in das nördlich gelegene Panama und von dort in die USA verläuft.

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