Glanz und Elend der Kollektive
»E pluribus unum« – »Aus vielen eines« – dieses inoffizielle Motto der USA findet sich unter anderem auf US-amerikanischen Münzen. »Pluribus« ist auch der Titel der neusten Serie des »Breaking Bad«-Schöpfers Vince Gilligan. In der zwischen Horror und schwarzer Komödie changierenden Sci-Fi-Serie verpasst ein Virus der Weltbevölkerung ein Schwarmbewusstsein.
Alle Menschen als eine Multitude, alle gleich nervig dauerglücklich und hilfsbereit! Alle Menschen? Das wäre langweilig. Zwölf Individuen auf der Welt sind immun gegen das Virus. Unter ihnen die herrlich miesepetrige Romantasy-Bestsellerautorin Carol Sturka, die im Gegensatz zu den meisten der Uninfizierten diesen Zustand ändern möchte.
Eine Serie für Menschen, die philosophische Gedankenspiele lieben und Chat GPT schon mehrfach den Befehl gegeben haben, verdammt nochmal nicht so scheißfreundlich zu sein.
Rhea Seehorn liefert über weite Strecken eine beeindruckende One-Woman-Show in dieser an überraschenden Wendungen reichen Serie. Man bekommt nicht genug davon, Carol dabei zuzusehen, wie sie die Dauerfreundlichkeit ihrer gleichgeschalteten Mitmenschen torpediert, die ihr sogar eine Atombombe liefern würden – nur um sie glücklich zu machen. Eine Serie für Menschen, die philosophische Gedankenspiele lieben und Chat GPT schon mehrfach den Befehl gegeben haben, verdammt nochmal nicht so scheißfreundlich zu sein.
Vom kollektiven Bewusstsein zum Bandgefüge, der vielleicht besten Idee von menschlichem Miteinander auf diesem von komplexen Individuen bevölkerten Planeten. Im vorigen Jahr erschien dazu das lesenswerte Buch »Band People: Life and Work in Popular Music« von Franz Nicolay.
Der Autor hat aus unzähligen Interviews ein Buch montiert, das die psychologische Gesamtsituation von Bands durchleuchtet und Fragen über Autorität und Kollektivismus stellt. Er porträtiert die unterschiedlichen Band-Typen, vom tonangebenden Bandleader über den Sidekick bis zum Mietmusiker. Nicolay fragt nach der Ökonomie von Bands und lässt uns an deren inneren Spannungen teilhaben. Es reden beispielsweise Mike Watt und Michael Bland (der legendäre Prince-Drummer).
Debütalbum der Morning Stars
Dieser Tage freuen sich schon viele auf das Debütalbum der Morning Stars, einer neuen Berliner Underground-All-Star-Band von Barbara Morgenstern, Sebastian Vogel, Felix Müller von der Band Kante und Alex Paulick von Kreidler.
Die Band, die einst als Geburtstagsgeschenk startete, veröffentlicht nun endlich ihr erstes Album »A Hymn Without a Sound«. Eine von Kraut- und Post-Rock beeinflusste Musik für Menschen, die zumindest in Klangwelten noch an die Kraft des Kollektivs glauben möchten.