Mehr als zwei Hundeschlitten
Nichts von dem, was Donald Trump in den vergangenen Tagen über Grönland gesagt hat, hält einer Überprüfung stand. Besonders nicht jener Satz, mit dem er am 9. Januar seine Absichten zu rechtfertigen versuchte: »Wenn wir uns Grönland nicht nehmen, werden es Russland oder China tun, und das werde ich nicht zulassen.«
Die Aussage ist politisch brisant und sachlich absurd. Grönland gehört zum Königreich Dänemark und damit zur Nato (allerdings nicht zur EU). Ein militärischer Zugriff Russlands oder Chinas auf die Arktisinsel würde automatisch den Bündnisfall auslösen – einschließlich der Verpflichtung der USA, die Region zu verteidigen.
Trump beschreibt also ein Problem, für dessen Lösung sein Land bereits vertraglich zuständig ist. Dennoch verspottete er die grönländische Verteidigung als bestehend aus »zwei Hundeschlitten«. Auch hier unterschlug er, dass die Sicherheit Grönlands in die kollektive Abschreckung der Nato eingebettet ist.
Die Schwächung oder gar Zerschlagung der Nato gehört seit Jahren zu den strategischen Zielen Wladimir Putins. Donald Trump könnte dazu mehr beitragen, als es äußerer Druck je vermocht hätte.
Dass Trump primär an den grönländischen Bodenschätzen interessiert ist, gilt vielen Beobachtern als naheliegend. Möglich ist allerdings auch, dass er sich von der sogenannten Mercator-Projektion hat täuschen lassen: Auf vielen gängigen Weltkarten wirkt Grönland nahezu so groß wie Afrika oder die USA. Tatsächlich ist es die größte Insel der Welt und umfasst rund 2,16 Millionen Quadratkilometer – etwa das Sechsfache der Fläche Deutschlands.
Noch kein Abonnement?
Um diesen Inhalt zu lesen, wird ein Online-Abo benötigt::