Jungle+ Artikel 22.01.2026
Die Geschichte hinter der Entstehung von Shakespeares Trägödie »Hamlet«

Zu Hause bei den Shakespeares

Basierend auf einem Roman von Maggie O’Farrell erzählt die chinesische Regisseurin Chloé Zhao in »Hamnet« aus weiblicher Sicht, wie ein entsetzlicher Verlust William Shakespeare zu seinem wohl größten dichterischen Triumph motivierte.

Da ist die Natur, der Wald mit seinen Höhlen und Schatten, mit Feuchtigkeit, Wachstum und Vergehen; da ist die Zivilisation mit rechten Winkeln, die Akkuratesse des Handwerks in der Baukunst oder der Hutmacherei. Agnes (Jessie Buckley), Tochter einer Waldhexe, ist ganz im kreatürlichen Teil dieser Welt zu Hause. In der Eröffnungsszene findet der Kamerablick sie wie ein Tier eingerollt in einer Vertiefung im Waldboden unter dem Stamm eines gewaltigen Baums.

Gleich nebenan scheint ein Schlund nur darauf zu warten, Vorbeikommende in lichtlose Unterwelten zu ziehen. Doch zunächst richtet sich die Aufmerksamkeit himmelwärts, wo ein Falke über dem Blattwerk seine Runden dreht. Agnes erhebt sich, streift einen Falknerhandschuh über, pfeift, und der Vogel stößt zu ihr hinab und lässt sich füttern.

William Shakespeare (Paul Mescal) arbeitet als Lateinlehrer im Haus von Agnes’ Stiefeltern. Während ihre jüngeren Brüder in symmetrischer Aufgeräumtheit, die fast an Wes-Anderson-Welten denken lässt, ihren Stoff pauken, ist er mit den Gedanken anderswo. Schnell reicht es ihm nicht mehr, sich nur durchs Fenster nach draußen zu träumen; also befiehlt er den Schülern, ihre Texte zu wiederholen, und ergreift selbst die Flucht ins Freie.

Dass eine Menge Leid auf die Liebenden zukommt, deutet sich an. Zunächst jedoch gilt es, die gefundene Liebe und ihre trickreiche Durchsetzung zu feiern.

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