Jungle+ Artikel 29.01.2026
Juliane Nagel (Links­partei) im Gespräch über Demonstranten in Leipzig-Connewitz

»Es ging um ein Fanal«

Am 17. Januar fand im Leipziger Stadtteil Connewitz eine Demonstration statt, die sich gegen israelsolidarische Personen und Projekte richtete und von einem Bündnis aus antizionistischen Gruppen wie Handala und Lotta Antifascista unter dem Motto »Antifa means: Free Palestine« angemeldet worden war. Eines der Ziele war die Landtagsabgeordnete der Linkspartei, Juliane Nagel, die in Connewitz das Wahlkreisbüro »Linxxnet« betreibt. Die »Jungle World« sprach mit ihr über die Vorgeschichte der Demonstration und ihre Bewertung sowie die Nachwirkungen.

Sind Sie erleichtert, dass der Tag der antizionistischen Demonstration und israelsolidarischen Gegendemonstrationen am 17. Januar in Leipzig-Connewitz ohne größere Zwischenfälle verlaufen ist?
Ja, sehr. Als am Morgen öffentlich wurde, dass die Route von Handala kurzfristig geändert wurde und nicht durch Connewitz führt, hat sich abgezeichnet, dass die Situation durch die räumliche Trennung der Demonstrationen entspannter wird. Ich glaube, viele haben befürchtet, dass es zu Auseinandersetzungen kommt.

Wie haben Sie die Situation in Connewitz in den Tagen vor der Demonstration wahrgenommen?
In den Tagen davor war im Stadtteil eine große Anspannung zu spüren. Man hat das an einem Meinungskampf an den Häuserwänden gesehen: Dort wurden Parolen gesprüht, die zu israelsolidarischen Protesten aufgerufen haben, dies wurde dann am nächsten Abend umgedeutet, und umgekehrt genauso. Anderthalb Wochen vor den Protesten gab es einen Angriff auf eine palästinasolidarische Gruppe, die im Stadtteil für die Demonstration plakatiert hat. Ich hatte danach Angst, dass sich solche gewalttätigen Vorfälle in den Tagen vor der Demo verdichten – das ist zum Glück aber nicht passiert. Zugleich hatten mich auch unbeteiligte Menschen, die im Stadtteil leben, darauf angesprochen, ob wir unsere Konflikte nicht auch intern austragen können. Es gab auch die berechtigte Empörung darüber, dass in einer Zeit, in der die extreme Rechte weiter zulegt, gegen einen links geprägten Stadtteil agitiert wird.

»Man versicherte sich gegenseitig, dass jüdische Symbole nicht übermalt oder verfremdet und Menschen mit Kufiya nicht angegriffen werden sollten. Doch am nächsten Tag ging die Eskalation in den sozialen Medien weiter.«

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