Jungle+ Artikel 29.01.2026
Seva Gunitsky, Politikwissenschaftler, im Gespräch über die derzeitige Außenpolitik der USA

»Das ist hegemonialer Selbstmord«

US-Präsident Donald Trump droht Nato-Verbündeten mit Zöllen und Annexionen; die USA ziehen sich aus internationalen Institutionen zurück. Der Politikwissenschaftler Seva Gunitsky spricht im Interview über die Logik von Trumps Außenpolitik und darüber, warum er glaubt, dass sie der Macht der USA schaden wird.

Donald Trumps Außenpolitik wirkt sprunghaft und chaotisch, kann man da überhaupt von einer Strategie sprechen?
Viele meiner Kollegen meiden es, in Zusammenhang mit Trump Begriffe wie »Strategie« oder »internationale Ordnung« in den Mund zu nehmen. Aber er folgt nicht einfach gedankenlos seinen Impulsen. Trumps grundlegende Ansichten über das internationale System sind seit den Achtzigern ziemlich unverändert: etwa dass die USA nicht mehr für den militärischen Schutz Europas aufkommen sollten oder dass gewisse Länder die USA ausnutzen – damals war es Japan, später China, heutzutage ist es vor allem die EU.

Und diese persönlichen Ansichten Trumps leiten jetzt die US-Außenpolitik?
Trump regiert sehr personalistisch, formelle Institutionen und Experten missachtet er, selbst seine Partei spielt keine wichtige Rolle. Die Regierungspolitik bestimmt er zusammen mit einem kleinen inneren Kreis. Die Außenpolitik wird also auch von seinem Groll und persönlichen Anliegen geleitet, etwa, dass ihm geschmeichelt wird, dass etwas der persönlichen Bereicherung seiner Familie und anderer dient, dass die USA die westliche Hemisphäre dominieren können.

»Wenn Großmächte alles bestimmen, verlieren Allianzen an Bedeutung. Verbündete sind im besten Fall Gefolgsleute, im schlimmsten Fall undankbare Trittbrettfahrer.«

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