Grönlands Hunde
Coco liebt, wie viele Hunde, den Schnee. Aber dass es ihr auf Grönland gefiele, bezweifele ich. So viel Schnee mag sie dann doch wieder nicht. Außerdem: zu kalt, zu dunkel. Sie ist ja – als Lagotto Romagnolo – Italienerin und liebt es warm und sonnig. Außerdem bilden sich im Schnee schnell Eisballen unter den Pfoten, was das Laufen irgendwann unmöglich macht. Also nein, Coco würde keine Gebietsansprüche auf Grönland erheben.
Dabei ist es ein echtes Hundeland, mit einer eigenen Rasse: dem Grönlandhund, nicht zu verwechseln mit dem Husky. Also man kann sie schon verwechseln, sollte das aber nicht! Da sind die Regeln streng. Der Grönlandhund ist eine der reinsten und am stärksten isolierten Hunderassen der Welt. Dafür sorgt auch der sogenannte Hundeäquator. Ein grönländisches Gesetz legt fest, dass in den westgrönländischen Gebieten nördlich des 66. Breitengrads, in Nordgrönland und Ostgrönland östlich des 44. Längengrads ausschließlich grönländische Schlittenhunde gehalten werden dürfen. Man darf sie aus den Schlittenhundedistrikten auch nicht ausführen, noch irgendwelche andere Hunde in diese Gebiete einführen. Kurzum: Kein Eintritt für Coco.
Coco würde keine Gebietsansprüche auf Grönland erheben.
Da man pro Schlitten zwei bis zwölf Hunde benötigt und man sich im Großteil Grönlands ausschließlich mit Hundeschlitten fortbewegt, kommen da einige Tiere zusammen. Seit ein paar Jahren setzen sich allerdings zunehmend motorisierte Schneemobile durch und das führt dazu, dass es nun einen starken Rückgang an Grönlandhunden gibt, ja die Hunderasse sogar in ihrem Bestand bedroht ist. So viel zum Thema Abschottungspolitik.
Dafür freut’s die Robben, denn mit deren Fleisch werden die Schlittenhunde gefüttert. Grönlandhunde müssen bei minus 50 Grad draußen schlafen, sind also echt hart im Nehmen. Neben dem Transportwesen sind sie deswegen auch im Jagdgeschäft tätig – bei der Jagd auf Eisbären. Sie rennen angstfrei auf die riesigen Raubtiere zu und stellen sie, bevor sie dann durch menschliches Gewehrfeuer erlegt werden – die Bären, nicht die Hunde, selbstverständlich.
Bei minus 50 Grad draußen schlafen
Für mich wäre das nichts. Weder die Eisbärenjagd, noch die Temperaturen. Coco und ich, wir würden dieses Grönland nicht einmal geschenkt haben wollen. Dann lieber die Amerikanischen Jungferninseln in der Karibik, die Dänemark einst tatsächlich an die USA verkaufte. Im Gegenzug erkannten die USA damals übrigens die Souveränität Grönlands an. Doch die sogenannten Lansing-Erklärung von 1916 scheint dem amtierenden Präsidenten der USA nicht bekannt zu sein.
Beim nächsten Wintereinbruch jedenfalls wird Cocos Eignung als Schlittenhund einmal ausprobiert, mal sehen, ob das auch ohne Robbenfutter klappt.