Ein deutscher Justizskandal
Ein Hubschrauber, der einen Gefangenen an die Grenze bringt, und das alles mitten in der Nacht. Nein, die Rede ist nicht von Venezuelas Diktator Nicolás Maduro, der von US-amerikanischen Spezialeinheiten entführt wurde. Es war Maja T., der das widerfuhr.
Die damals 23jährige befand sich im Juni 2024 bereits ein halbes Jahr in Berlin in Untersuchungshaft, als das Berliner Kammergericht dem Auslieferungsantrag Ungarns stattgab. Dann ging es blitzschnell. Noch in derselben Nacht wurde T. über die Grenze nach Österreich gebracht, von dort ging es weiter nach Ungarn.
Ihre Anwälte hatten noch in der Nacht angekündigt, beim Bundesverfassungsgericht einen Eilantrag gegen die Entscheidung einzureichen. Das wusste die Polizei und hätte dementsprechend warten können. Am nächsten Morgen gab das Bundesverfassungsgericht dem Antrag dann auch direkt statt: Die Auslieferung musste gestoppt werden. Doch da war Maja T. bereits außer Landes.
Maja T. wird vorgeworfen, gemeinsam mit anderen Antifas aus Deutschland und Italien mutmaßliche Neonazis angegriffen zu haben, die in Budapest den sogenannten »Tag der Ehre« begingen.
Seitdem steht T. in Budapest vor Gericht, nächsten Mittwoch soll das Urteil fallen. Die Staatsanwaltschaft wirft T. vierfache lebensgefährliche Körperverletzung sowie Mitgliedschaft in einer kriminellen Organisation vor. Sie fordert eine hohe Strafe als »Abschreckung«; der Strafrahmen lässt eine Haft bis zu 24 Jahren zu.
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