Nudeln und Mangos
Joachim hat es an Münchens renommierte Schauspielschule geschafft. Nun aber weigert er sich, in einer »Faust«-Inszenierung mit einem Riesendildo einen Baum zu ficken. Eine Spaghetti-Nudel im kochenden Wasser darzustellen, ist auch nicht sein Fall. Aber trotz aller Hindernisse wird Joachim seinen Weg als Künstler machen.
Basierend auf den Erinnerungen des Burgschauspielers Joachim Meyerhoff schildert der von Regisseur Simon Verhoeven inszenierte Film »Ach, diese Lücke, diese entsetzliche Lücke« ein ungewöhnliches Studentenleben. Joachim wohnt nicht in einer WG, sondern in der Villa seiner exzentrischen Großeltern in München. Tiefe Trauer um seinen verunglückten Bruder hemmt den Schauspielschüler.
Nur gut, dass die von Senta Berger gespielte Oma, die einst eine berühmte Schauspielerin war, und Opa, ein ehemaliger Philosophieprofessor, entspannende Alkoholrituale pflegen und ihren Enkel unterstützen. Fazit: Anrührende und prominent besetzte Verfilmung, die jedoch an das Kopfkino beim Lesen des Romans nicht heranreicht.
39. Transmediale: »By the Mango Belt & Tamarind Road«
In Berlin findet von Donnerstag bis Sonntag die 39. Transmediale statt. Kurator:innen sind Neema Githere und Juan Pablo. Unter dem Motto »By the Mango Belt & Tamarind Road« fragt das Festival danach, wie Systeme, Technologien und Weltanschauungen neu gedacht und miteinander verknüpft werden können. Ein »lebendiges, rekursives Trägernetz« beziehungsweise »eine Hängematte relationaler Technologien in Praxis, die sich über Breitengrade, Rhythmen und Wurzelsysteme spannt«, werden versprochen.
Wenn wir das richtig verstehen, sollen die Besucher:innen in Workshops an verschiedenen Orten in Berlin, vor allem im Silent-Green-Kulturquartier und im »Cank«, selbst neue Idee entwickeln. Es sollen »nicht nur Zutaten und Datensätze diversifiziert, sondern vielmehr Rezepte und Modelle aufgemischt werden«.
Der Schienenersatzverkehr kann bekanntlich eine sehr psychedelische Erfahrung sein.
Wir können den Festival-Macher:innen nur wünschen, dass die BVG diese Pläne nicht durchkreuzt. Die Haltestelle Wedding in der Nähe des »Silent Green«, dem Zentrum des Festivals, wird seit der Silvesternacht wegen Beeinträchtigungen durch Vandalismus nicht mehr angefahren. Aber der Schienenersatzverkehr kann ja bekanntlich auch eine sehr psychedelische Erfahrung sein.
Der zugehörige Club Transmediale eröffnete seinen Teil des Festivals unter dem Motto »dissonate resonate« bereits am vergangenen Freitag mit einem Konzert des Doom-Rock-Duos Earth und einem kanadischen Grunzchor.