Der olympische Ursprung
Ankommen in Garmisch-Partenkirchen bedeutet: Man steht mitten in der Sportgeschichte. Der Bahnhof der Marktgemeinde im Werdenfelser Land war für die Olympischen Winterspiele 1936 gebaut worden, die am 6. Februar vor 90 Jahren von Adolf Hitler eröffnet wurden. 2026 soll ein Gedenkjahr werden.
Auch wer sich vom Bahnhof wegbewegt, entweder in den Ortsteil, der östlich der Bahnstrecke liegt, Partenkirchen, oder den westlichen, Garmisch, wandelt auf olympischem Terrain. Breite, mehrspurige Straßen prägen den Ort. So sehen Alpendörfer nicht aus. Auch viele mehrstöckige Häuser, deren Fenster nicht etwa Läden haben, sondern auf deren Fassade rund um die Fenster Ornamente gemalt wurden, wurden für die Winterspiele 1936 gebaut. Das touristische Image des Ortes, eine Alpenidylle nahe der Zugspitze, passt nicht zu diesem Stadtbild.
Garmisch-Partenkirchen verdankt seinen olympischen Nimbus dem NS-Regime – und lebt bis heute von dem Mythos, Sport und Propaganda hätten hier nichts miteinander zu tun gehabt.
Schon dass es diesen Ort gibt, ist dem NS-Regime und den Olympischen Spielen zu verdanken. 1935 wurden die bis dahin unabhängigen Marktgemeinden Garmisch und Partenkirchen zwangsvereinigt. Bis heute gibt es beispielsweise zwei Kurparks; der von Partenkirchen wurde im vergangenen September nach der tödlich verunglückten Biathletin und Bergsteigerin Laura Dahlmeier benannt.
Jahrzehntelang hatte Garmisch-Partenkirchens Image davon gelebt, dass Nazi-Olympia nur mit den Sommerspielen in Berlin 1936 in Verbindung gebracht wurde. Nazi-Propaganda, das muss woanders gewesen sein. 1996, als der 60. Jahrestag anstand, hatte der damalige Bürgermeister noch verfügt, dass auf Fotos keine Hakenkreuze zu sehen sein dürften. Es galt, den reinen Sport zu feiern.
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