Transatlantische Geduldsprobe
Die Kritik des linken Antiamerikanismus ist eine der wichtigsten Errungenschaften der emanzipatorischen Linken. Aus dem Interesse an der US-amerikanischen Politik und Gesellschaft entwickelte sich in diesem Teil der Linken auch eine gewisse Affinität zu den USA. Geben Präsident Donald Trumps Angriffe auf das transatlantische Bündnis und die Entwicklung der USA nach rechts Anlass, die positive Bezugnahme auf die Vereinigten Staaten zu überdenken?
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Spätestens in den Neunzigern hatte man in der Linken begonnen, den Antiamerikanismus der Deutschen als Unbehagen an der Moderne und damit als Form des Antisemitismus zu entlarven. Seither kommt diese Strömung der Linken zu völlig anderen Einschätzungen der politischen Weltlage als die antiimperialistische. Zur Veranschaulichung reicht es, auf die jüngsten Kriege in der Ukraine und im Nahen Osten zu verweisen: Friedensbewegte alter Prägung diskreditieren seit Beginn des russischen Angriffskriegs im Einklang mit der AfD das ukrainische Selbstverteidigungsrecht, die gauche émancipatrice hingegen findet mit dem ehemaligen Bundeswehr-Oberst Roderich Kiesewetter (CDU) größere argumentative Schnittmengen als mit Jan van Aken (Linkspartei).
Die nach dem 7. Oktober 2023 pathologisch gewordene Empathie für Gaza (das mehr als Chiffre für ein Gut-Böse-Schema steht, als dass die konkreten Menschen im Gaza-Streifen und ihr Leid gemeint wären) marginalisierte wiederum jene Linke, die sich auch dann noch solidarisch mit Israel zeigten, als die militärische Strategie der rechten Staatsführung dies zunehmend erschwerte. So weit, so bekannt.
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