Jungle+ Artikel 05.02.2026
Das Buch »Zerstörungslust« widmet sich destruktiven Tendenzen

Herzinfarkt der Moderne

Carolin Amlingers und Oliver Nachtweys Buch »Zerstörungslust« will die Quellen der grassierenden Destruktivität offenlegen, ergeht sich dabei aber nicht nur in theoretischer Beliebigkeit, sondern verliert auch das große Ganze aus den Augen.

Es war wohl die Zeit der Covid-19-Pandemie, in der endgültig deutlich wurde, dass der globalen Kombination aus Wirtschaftskrise, »Rechtsruck« und kulturellem Backlash nicht nur gesellschaftliche Gegenkräfte ohnmächtig gegenüberstehen, sondern auch die Gesellschaftswissenschaft intellektuell hilflos zurückbleibt. Man hatte jahrzehntelang Theorien gefrönt, die die fundamentale Unbestimmtheit des Sozialen zur letzten Gewissheit erklärten – und damit wahlweise dem Universitätsbetrieb konstruktivistische turns oder politischen Bewegungen eine hegemonietheoretische Ausrichtung geliefert. Nun aber, angesichts im globalen Ausmaß wirkender Zwänge, kommt man genau damit in Erklärungsnot. Unbestimmtheit bedeutet eben auch Erkenntnislosigkeit.

Es ist nur konsequent, dass in diesem Moment die Kritische Theorie wiederentdeckt wird. Immerhin ist diese geradezu berüchtigt für ihr Beharren auf Erkenntnis – weshalb der akademische Betrieb sie jahrzehntelang als antiquiert ansah. Nun aber wurde Adornos 2019 erstmals veröffentlichter Vortrag über »Aspekte des neuen Rechtsradikalismus« von 1967 ob seiner vermeintlichen Aktualität zum Bestseller und Leo Löwenthals »Falsche Propheten. Studien zur faschistischen Agitation« (1949) erhielten 2021 eine Neuauflage, die »uns jene Begriffe und Methoden schenkt, mit denen sich diese düsteren Zeiten besser und genauer verstehen lassen«, wie Carolin Emcke im Nachwort erklärte.

Dass die Zeiten härter werden, zeigt sich auch im Bedürfnis nach Eindeutigkeit im Sprechen darüber.

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