Widerstand am Atitlánsee
Víctor Voz hat für den Blick über den Atitlánsee wenig übrig. Der stämmige indigene Bauleiter mit graumeliertem Haar dirigiert seine Kollegen auf der Baustelle im Sector II von Sololá im Südwesten Guatemalas. Sie befindet sich über dem Atitlánsee, aus dem sich der Vulkan San Pedro erhebt, der deutlich näher scheint, als er ist. Für den rund 50jährigen Voz gehört diese Aussicht zum Alltag. Ihn beschäftigt der Bau, den sie vor ein paar Wochen begonnen haben. »Wir arbeiten hier an einem kleinen Tagungshaus, einem Ort für den Stadtteil, einem Treffpunkt, um Dinge zu besprechen, die alle angehen«, sagt Voz.
Er gehört den Kaqchikel an, einer indigenen Maya-Gruppe, die in der Region mit weitem Abstand die Bevölkerungsmehrheit stellt. Ihre Gemeinden verfügen über eigene Strukturen, die deutlich besser funktionieren als die staatlichen. Transparenz und kollektive Lösungsverfahren dominieren auf der einen Seite, Korruption tut es auf der anderen, so lässt sich der grundlegende Unterschied benennen. Voz ist traditionell gekleidet. Dazu gehören der helle Strohhut, das gemusterte Hemd, die gestreiften Hosen und die Wolljacke mit einem auf den Rücken gestickten murciélago, einer Fledermaus, dem Emblem der letzten Kaqchikel-Dynastie, die Mitte des 16. Jahrhunderts endete. Die Männer tragen zudem den xerk, einen aus schwarzer und weißer Schafwolle gewebten Schlauch, der über die Hüfte gestreift wird.
»Nur zwei Prozent von uns Indigenen schaffen den Sprung an die Universität, noch weniger den Abschluss.« Juan Castro, Anwalt
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