05.02.2026
Die Repression im Iran und die Hoffnung auf einen Militärschlag der USA

Im Land des großen Terrors

Für viele Menschen im Iran stellt sich vor allem die Frage, wie lange die Islamische Republik noch bestehen wird. Ein Militärschlag der USA erscheint da oft als eine Art notwendiges Übel, um das Mullah-Regime zu stürzen.

Zerschmetterte Köpfe, aufgerissene Bäuche, schwarze, übereinandergestapelte Leichensäcke: Das iranische Regime hat einen Massenmord begangen. Nach oppositionellen Schätzungen wurden bis zu 40.000 Menschen getötet. Mütter weinen nicht an den Gräbern ihrer Kinder, sie tanzen. Schwestern und Väter schließen sich ihnen an. Die Menschen haben keine Angst mehr zu sagen: »Tod der Islamischen Republik!«

Die Menschen haben keine Angst mehr zu sagen: »Tod der Islamischen Republik!«

Liebende halten kraftvolle Reden an den Gräbern ihrer verlorenen Geliebten. Videos, handgeschriebene Notizen und unzählige Tweets der Getöteten kursieren, in denen sie bekundet hatten, dass sie stolz das Herz des Feindes für die »Freiheit des Iran« treffen werden.

Nur sieben Monate sind seit dem Angriff Israels und der USA auf den Iran vergangen, einem Angriff, der zwölf Tage dauerte und Statistiken zufolge etwa 1.000 Todesopfer forderte. Ein großer Teil der Getöteten waren Angehörige des Militärs und der Islamischen Revolutionsgarden, einer Institution, die die Europäische Union vorige Woche als terroristisch eingestuft hat.

Im Gegensatz dazu tötete der Apparat der Islamischen Republik im Iran in nur zwei Tagen, am 8. und 9. Januar, mehrere Zehntausend unbewaffnete Zivilisten. Dieser Vergleich allein reicht aus, um viele Menschen im Iran dazu zu bewegen, einen Militärschlag durch einen vergleichsweise rational handelnden Staat wie die Vereinigten Staaten oder Israel zu akzeptieren. Schon zuvor hatten viele Menschen aufgrund ihrer Lebenserfahrung erkannt, dass sie mit Wahlen oder stillen Straßenprotesten keinen Einfluss auf die religiöse Diktatur der Mullahs nehmen konnten.

Warten auf einen Militärangriff der USA als eine Art Notfallhoffnung

In den vergangenen Wochen sind zahlreiche private Videos bei der Jungle World eingegangen, die nie zur Veröffentlichung bestimmt waren: Aufnahmen von Überwachungskameras in Geschäften, die zeigen, wie bereits verwundete Menschen mit Ziegelsteinen auf den Kopf geschlagen werden, um sie zu töten. Gleichzeitig gehen unzählige Sprachnachrichten von Familien ein, zitternde Stimmen mit nur einer Bitte: »Sagt irgendwo seinen Namen.«

Auf der Straße, in den Familien, in Taxis und in den sozialen Medien wird immer wieder dieselbe Frage gestellt: »Wann werden sie zuschlagen?« Das Warten auf einen Militärangriff der USA hat sich zu einer Art Notfallhoffnung für die Öffentlichkeit entwickelt. Viele Menschen überprüfen rund um die Uhr Websites, die Flüge verfolgen; ein klarer Himmel wird als Zeichen dafür interpretiert, dass ein Angriff unmittelbar bevorsteht. Diese Erwartung entspringt nicht dem Wunsch nach Krieg, sondern der völligen Reformunfähigkeit der Islamischen Republik.

Die offiziell eingestandene Inflationsrate liegt bei etwa 60 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Seit dem 8. Januar gehen die Ordnungsbehörden mit Drohungen und Verhaftungen gegen Ladenbesitzer vor, die ohne Genehmigung oder »überzeugenden Grund« schließen. Das Ergebnis ist paradox: Die Läden sind geöffnet, aber es gibt kaum Kunden. Die Wirtschaft zeigt sich scheinaktiv, in Wirklichkeit ist sie zum Erliegen gekommen. Die Stimmung in den Regierungsbüros ist bedrückend. Die Mitarbeiter sprechen nur mit denen, die sie seit Jahren kennen. In jeder staatlichen Einrichtung, egal wie klein, ist eine Einheit namens Herasat tätig, die direkt mit den Geheimdiensten verbunden ist. Durch interne Überwachung wurde die Angst institutionalisiert.

Das Land in den Stillstand getrieben

Während die Regierung versucht, jedes Anzeichen von Streiks zu unterdrücken, hat sie das Land selbst nahezu in den Stillstand getrieben, sei es durch Repression oder aus ökonomischem Mangel. Banken, Büros und Bildungseinrichtungen sind regelmäßig mehrere Tage in der Woche geschlossen. In Industriegebieten hat die Kraftstoffknappheit viele Werkstätten und Fabriken dazu gezwungen, nur einen Teil der Woche zu arbeiten. Ärzte und Krankenpfleger behandeln weiterhin die bei den Protesten Verletzten. Viele der Verwundeten meiden Krankenhäuser aus Angst vor Verhaftung, die Behandlung hat sich in Privathaushalte verlagert. Ärzte, die diese Dienste leisten, sind selbst der Strafverfolgung ausgesetzt, nicht wegen der Ausübung ihres Berufs, sondern wegen »Unterlassung der Meldung«.

In den vergangenen Tagen zieht sich durch die Gespräche mit Müttern der Getöteten ein roter Faden. Es gibt Trauer, aber die vorherrschende Sorge ist eine andere: »Was, wenn ihr Blut umsonst vergossen wurde?« Es geht nicht nur um den Verlust, es geht darum, dass er nicht vergebens war.

Die iranische Gesellschaft hat große Angst vor einem Bürgerkrieg wie in Syrien. Gleichzeitig ist man sich bewusst, dass diese Regierung nicht so einfach zurücktreten wird.

Alltägliche Gespräche drehen sich in der Regel um drei Themen. Erstens: die Rekonstruktion der beiden Nächte, in denen Menschen unterschiedlichen Alters und unterschiedlicher Herkunft plötzlich und gleichzeitig zu einer bestimmten Stunde auf die Straße gingen.

Zweitens: die Schilderung der Gewalt – von Kugeln zertrümmerte Schädel, entsetzliche Schreie und Schreckensbilder, die nicht vergessen werden können.

Und drittens eine Frage, die unbeantwortet bleibt: »Wie endet die Islamische Republik?«

Die iranische Gesellschaft hat große Angst vor einem Bürgerkrieg wie in Syrien. Gleichzeitig ist man sich bewusst, dass diese Regierung nicht so einfach zurücktreten wird. Es werden viele Gründe für den wahrscheinlichen Erfolg dieses Aufstands angeführt: eine zusammengebrochene Wirtschaft, die Unfähigkeit des Staats, die vollständige Erosion der offiziellen Ideologie und sogar Konflikte innerhalb von Familien, die mit den Repressionskräften verbunden sind. Aber einen Satz hört man fast überall: »In meinem Herzen bin ich mir sicher, dass sie gehen werden.« In Ermangelung auch nur irgendeiner politischen Gewissheit verlassen sich die Iraner nun auf ihr Herz.