05.02.2026
Wie Tom Barrack die syrischen Kurden fallen ließ

Trumps Tycoon im Nahen Osten

Vormals hatten die USA durch die Kooperation mit den SDF zwei Ziele verfolgt: Zunächst sollten die Reste des »Islamischen Staats« niedergehalten werden. Außerdem sollte das mit Iran verbündete Assad-Regime geschwächt werden, indem die SDF die syrischen Ölquellen kontrollierten. Nach Assads Sturz im Dezember 2024 und aufgrund der Kooperationsbereitschaft seines Nachfolgers al-Sharaa wurde beides hinfällig. Welche Rolle Tom Barrack beim Verrat der SDF spielte.

Da der syrische Übergangspräsident und ehemalige Terrorist Ahmed al-Sharaa um ein gutes Verhältnis zur Regierung der USA bemüht ist und deren Präsident Donald Trump mehrfach im Weißen Haus getroffen hat, ist es kaum denkbar, dass er die mit den USA verbündeten kurdisch dominierten Syrian Democratic Forces (SDF) angegriffen hat, ohne sich zuvor ein Okay aus Washington zu holen. Mit Trumps »Sondergesandten für Syrien« in der Türkei, Thomas J. Barrack, dürfte al-Sharaa ohnehin wenig Verhandlungsschwierigkeiten haben.

Tom Barrack ist ein Immobilien-Tycoon und seit Jahrzehnten ein enger Freund Trumps, für den er in der Vergangenheit Spendenkampagnen organisiert hat. Und wie es so kommt, war er auch mit Jeffrey Epstein eng befreundet. Wegen unterbliebener Reparaturen in Mietwohnungen und des massenhaften Rauswurfs von Mieter:in­nen bezeichnete das Magazin The Nation den Milliardär 2019 als »slumlord«.

Trump hat Tom Barrack zum US-Botschafter in der Türkei ernannt. Wie diese und die arabischen Golfstaaten setzt sich auch Barrack für eine enge Kooperation mit Syriens Übergangspräsident, dem ehemaligen Terroristen Ahmed al-Sharaa ein.

Geschäftsinteressen verfolgt Barrack darüber hinaus in den arabischen Golfstaaten. Trump hat ihn außerdem zum US-Botschafter in der Türkei ernannt. Wie diese und die arabischen Golfstaaten, insbesondere Katar, setzt sich auch Barrack für eine enge Kooperation mit al-Sharaa ein.

Vormals hatten die USA durch die Kooperation mit den SDF zwei Ziele verfolgt: Zunächst sollten die Reste der Terrorgruppe »Islamischer Staat« (IS) niedergehalten und sowohl gefangene Kämpfer des IS als auch die im Lager al-Hol festgehaltenen Frauen und Kinder der IS-Angehörigen bewacht werden. Außerdem sollte das mit Iran verbündete Assad-Regime geschwächt werden, indem die SDF die syrischen Ölquellen kontrollierten.

Nach Assads Sturz im Dezember 2024 und aufgrund der Kooperationsbereitschaft seines Nachfolgers al-Sharaa wurde beides hinfällig. Zudem konnte al-Sharaa als neuer Freund und von den USA anerkannter Repräsentant Syriens auf die Durchsetzung seiner Autorität in ganz Syrien pochen. Im Gegenzug beschwerte er sich auch nicht über israelische Vorstöße auf dem Golan.

Noch immer US-Soldaten in Nordostsyrien

Dennoch hatte der auswärtige Ausschuss des US-Senats al-Sharaa nach den ersten Auseinandersetzungen mit den Kurden in Aleppo und in der Nähe von Damaskus schon früh zur Mäßigung aufgerufen. Kurdische Quellen glauben auch, dass der Kompromiss, der die Kämpfe letztendlich beendete, vor allem auf Druck der USA und Frankreichs zustande kam. Ein sicher sehr verlustreicher Kampf um die letzten kurdischen Bastionen und zu erwartende Massaker an der Zivilbevölkerung sowie etlichen Binnenvertriebenen wurden so verhindert.

Ein solcher Ausgang hätte die Regierung Trump nicht besonders gut dastehen lassen. Schließlich kämpfte da ihr neuer Verbündeter gegen den vormaligen, den Trump fallengelassen hat. Außerdem befinden sich noch immer einige US-Soldaten in Nordostsyrien, für die wohl nur ein überstürzter Abzug in Frage gekommen wäre.