Der Debatte hinterher
Als Judith Butlers Buch »Who’s Afraid of Gender« im März 2024 auf Englisch erschien, durfte man Zweifel daran haben, dass es auch in Deutschland erscheinen würde. Butler hatte immerhin 2023 beleidigt verkündet, nicht mehr in Deutschland auftreten zu wollen, und Anfang 2024 die Erklärung »Strike Germany« unterschrieben, die zwar explizit nur die Teilnahme an Veranstaltungen »bestreikte« – doch ein Grund, wieso dieser lächerliche Aufruf sich nicht auch auf Publikationen erstreckte, war nicht ersichtlich.
Als sie im März 2024 bei einer öffentlichen Diskussion in Paris dann in Zweifel zog, dass es am 7. Oktober zu Vergewaltigungen durch Hamas-Kämpfer gekommen war, und vollmundig »Beweise« einforderte, die es schon längst gab, hätte man sich auch vorstellen können, dass ihr Verlag keine sonderlich große Lust mehr hat, mit ihr zusammenzuarbeiten.
Unfreiwillig komisch wird es, wenn Butler zensurwütigen Rechten den »Glauben an die extrem transitive Kraft der Wörter« vorwirft – als wäre das nicht auch ein wesentliches Charakteristikum der Queer Theory.
Nun ist es aber doch auch auf Deutsch erschienen, »Wer hat Angst vor Gender?«, Butlers Kommentar zu den Debatten und Kulturkämpfen rund um das Thema Gender und insbesondere Transsexualität. Doch wie der Rest vom Fach scheitert auch Butler, die Grande Dame der Gender Studies, an einer konzisen, schlüssigen Beschreibung dessen, was das Wort »Gender« eigentlich bezeichnen soll: Einmal ist es »eine Reihe von Normen«, ein paar Seiten später dann ein »Rahmenwerk«, um über Natur, Gesellschaft und Macht nachzudenken; später benutzt sie das Wort Gender nur noch, um auf die akademische Disziplin zu verweisen, um schlussendlich zu verkünden, dass es eine vorherrschende Auffassung schlicht nicht gebe.
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