12.02.2026
Der Lega-Politiker Roberto Vannacci gründet eine neue Partei

Rechts der Lega

Der Lega-Politiker Roberto Vannacci, ehemaliger Armeegeneral, gründet eine neue Partei. Zwar droht Giorgia Melonis Regierungskoalition parlamentarisch zunächst keine Gefahr, doch bei der Parlamentswahl im kommenden Jahr könnte das anders werden.

Der ehemalige Armeegeneral Roberto Vannacci hat dem Lega-Vorsitzenden Matteo Salvini vergangene Woche großen Ärger bereitet, als er den Austritt aus der Partei und die Gründung seiner eigenen bekanntgab. Rechts der rechten Regierungsparteien Fratelli d’Italia (FdI), Forza Italia und Lega soll zukünftig Futuro Na­zionale stehen.

Da nur wenige Lega-Abgeordnete Vannacci folgen wollen, droht der Regierungskoalition parlamentarisch zunächst keine Gefahr. Allerdings könnte die neue Partei, die in ersten Umfragen vier Prozent erreicht, bei der im kommenden Jahr anstehenden Parlamentswahl der Lega und vor allem den FdI Stimmen abnehmen; ihr Potential liegt demnach bei der souveränistischen Wählerklientel, die vom transatlantischen und proeuropäischen Regierungskurs Giorgia Melonis enttäuscht ist.

Um dieses Lager bei der Stange zu halten, hatte Salvini den Kreml-Freund Vannacci 2024 gegen erheblichen parteiinternen Widerstand zur Lega geholt. Bei der Europawahl im selben Jahr gewann dieser nach Meloni die zweitmeisten sogenannten Vorzugsstimmen, die in Italien an einzelne Kandidaten vergeben werden können.

In seinem Buch hetzte der ehemalige Armeegeneral Roberto Vannacci gegen Feministinnen, Migranten und Homosexuelle, die »nicht normal« seien.

Noch ein Jahr zuvor war Vannacci außerhalb von Militärkreisen relativ unbekannt. Das änderte sich schlagartig, als er im Sommer 2023 im Selbstverlag das Buch »Il mondo al contrario« (verkehrte Welt) publizierte, in dem er einen bunten Strauß an Reaktionärem darbot, unter dem Motto: »Ich beanspruche für mich das Recht, meinen Hass und meine Geringschätzung öffentlich ausdrücken zu dürfen.«

Er hetzte gegen Feministinnen, Migranten und Homosexuelle, die »nicht normal« seien. Das Buch verkaufte sich 250.000 Mal, die rechtsextreme Forza Nuova bot ihm eine Kandidatur an. Vannacci lehnte ab, er wolle beim Militär bleiben. Dort allerdings leitete man ein Disziplinarverfahren gegen ihn ein. Er wurde suspendiert und schied im Februar 2025 aus dem Militärdienst aus.

Im Mai 2025 wurde Vannacci, gerade mal einen Monat nachdem er offiziell Lega-Mitglied geworden war, auf Vorschlag Salvinis zum stellvertretenden Parteivorsitzenden ernannt. Nun beschimpfte Salvini Vannacci als Verräter, der wiederum sieht in Salvini den eigentlichen Verräter, unter anderem weil dieser sich nicht genug gegen Waffenlieferungen an die Ukraine eingesetzt habe.