26.02.2026
Norwegen befasst sich mit der Aufarbeitung der Epstein-Aktenwechsel

Epstein und die Royals

Der Sexualstraftäter Jeffrey Epstein machte auch vor Royals nicht halt. Über Angehörige der britischen und norwegischen Königshäuser verschaffte er sich Zugang zum Geldadel und zu einflussreichen Politikern.

Die Frage, ob die gegen den ehema­ligen britischen Prinzen Andrew eingeleiteten Ermittlungen das Ende der Monarchie bedeuten könnten, beschäftigt in Großbritannien im Grunde nur deren Gegner. Dass der Lieblingssohn der verstorbenen Queen einen Hang zu Korruption und Sex mit Minder­jährigen hatte, ist schließlich nicht erst seit der Veröffentlichung der Epstein-Akten bekannt.

Kronprinz Charles hatte sich bereits 2001 gegen die Berufung seines jüngeren Bruders zum Sonderbeauftragten für internationalen Handel und Investitionen ausgesprochen. Dem ­Guardian zufolge hielt er Andrew für »charakterlich ungeeignet«, das Königreich auf höchster diplomatischer Ebene zu vertreten, und verwies auf dessen »zwielichtige Kontakte«.

Charles konnte sich nicht durchsetzen, sollte aber recht behalten. Anfang 2011 hatte er versucht zu erreichen, dass Königin Elisabeth II. Andrew als Sonderbeauftragten entlässt. Dies geschah allerdings erst, als ein Foto veröffentlicht worden war, das ihn beim Spaziergang mit Jeffrey ­Epstein zeigt.

In Norwegen erfuhr die Öffentlichkeit erst durch die Veröffentlichung der sogenannten Epstein-­Dokumente in den USA, dass Kronprinzessin Mette-Marit ausgiebig Kontakt zu Epstein pflegte.

Nicht nur Andrew wurde nun vor­übergehend festgenommen, sondern auch Peter Mandelson, ehemaliger ­britischer Wirtschaftsminister und Botschafter in den USA, und zwar ­wegen des Verdachts auf Amtsmissbrauch ­zugunsten des Investment­bankers ­Epstein.

In Norwegen hingegen erfuhr die Öffentlichkeit erst durch die Veröffentlichung der sogenannten Epstein-­Dokumente in den USA, dass Kronprinzessin Mette-Marit ausgiebig Kontakt zu Epstein pflegte. Dessen Verbindungen zu hochrangigen norwegischen ­Diplomaten und Politikern reichten ­allerdings viel weiter, zum Beispiel zu Terje Rød-Larsen, der 1993 maßgeblich an den Osloer Verhandlungen über ­einen Frieden zwischen Israel und der PLO beteiligt gewesen war.

Der Reeder Morits Skaugen hatte Terje Rød-Larsen und seiner Frau, der hochrangigen Diplomatin Mona Juul, 2011 eine 335 Quadratmeter große ­Luxuswohnung in Oslo vermietet. ­Sieben Jahre später kauften die beiden ihm diese Wohnung für umgerechnet 1,45 Millionen Euro ab – weit weniger als die Hälfte ihres Werts. Die Umstände, unter denen dieses Geschäft zustande kam, sind heute Gegenstand von Ermittlungen der zentralen nor­wegischen Behörde zur Strafverfolgung von Wirtschaftsverbrechen, ­Økokrim; Epstein spielte bei den Vorgängen eine wichtige Rolle

Schwe­re Korruption, Vorteilsnahme im Amt, Vermittlung von Ge­fälligkeiten

Aus den Akten geht hervor, wie ­Epstein Rød-Larsen und Juul die Immobilie zuspielte. Durch von Rød-Larsen beschaffte Insider-Informationen war ­Epstein sehr genau über die finan­ziellen Probleme von Skaugens Schifffahrtsunternehmen IMSK im Bilde (es wurde 2018 liquidiert). Während ­Epstein Skaugen angeboten haben soll, ihn mit internationalen Geldgebern in Kontakt zu bringen, wirkte er gleich­zeitig monatelang auf ihn ein, damit er Rød-Larsen die Wohnung übereigne.

Der Wirtschaftszeitung Dagens Nærings­liv berichtete Skaugen im ­Januar 2026 erstmals Einzelheiten. Dem­nach lud ihn Epstein in dessen ­Pariser Appartement vor, wo der ihm unmissverständlich klargemacht habe, zu welchem Preis er die Immobilie an Rød-Larsen und Juul zu veräußern habe – falls er nicht mitmache, könne es sein, dass Familienangehörigen ­etwas zustoße.

Skaugens Schilderungen führten dazu, dass Mona Juul am 8. Februar als Botschafterin in Jordanien zurücktrat. Einen Tag später durchsuchte Økokrim die Wohnung von Juul und Rød-Larsen; gegen die beiden wird nun wegen schwe­rer Korruption, Vorteilsnahme im Amt sowie Vermittlung von Ge­fälligkeiten ermittelt.

Epstein trat auch an Steve Bannon heran, den ehemaligen Berater von US-Präsident Donald Trump. Der Finan­zier konsultierte Bannon ab 2018 in Imagefragen. Dieser plante beispielsweise einen Dokumentarfilm über ­Epstein als missverstandenen Wohl­täter, im Gegenzug leistete Epstein ­logistische Hilfe bei Bannons Europa-Tour. Dieser sollte, so wohl der Plan, als globaler Vordenker aufgebaut werden. Dazu gehörte auch, Kontakt zwischen ihm und dem stellvertretenden Vorsitzenden des norwegischen Friedens­nobelpreis-Komitees, Asle Toje, her­zu­stellen.

Trafen sich Steve Bannon und Mette-Marit?

Epstein selbst hatte den Akten zufolge Bannon mitgeteilt, in mindestens einem Fall schon vorab über den Preisträger informiert worden zu sein – ein unerhörter Vorgang, denn die Entscheidungen über den Friedensnobelpreis unterliegen strikter Geheim­haltung und wurden bislang noch nie durchgestochen. Entsprechend beschäftigt sich nun das norwegische Parlament mit den Dokumenten, eine externe Untersuchungskommission soll außerdem etwaige Verflechtungen zwischen den vom Storting gewählten Mitgliedern des Nobelpreis-Komitees, Diplomaten und Epstein aufklären.

Möglich gemacht wurde dies durch die Aufhebung der diplomatischen ­Immunität des ehemaligen norwegischen Ministerpräsidenten Thorbjørn ­Jagland (1996–1997), der bereits 2020 auf Nachfrage des Nobel-Komitees ­eingeräumt hatte, Kontakt zu Epstein zu unterhalten. Gegen Jagland, von 2009 bis 2015 Vorsitzender des Nobel-Komitees, wird nunmehr auch wegen Vorteilsnahme ermittelt.

Darüber hinaus beschäftigt sich das Parlament mit der Rolle von Mette-­Marit, der Ehefrau von Thronprinz Haakon. Inwiefern Epstein unter anderem wohltätige Stiftungen der Kronprinzessin finanzierte, ist derzeit unbekannt, und ebenso, warum sie noch nach dessen erster Verurteilung als ­Sexualstraftäter 2008 Kontakt zu ihm hielt und dies verschwieg.

Ob ein ­Bannon in Aussicht gestelltes Treffen mit Mette-Marit stattfand, ist gleichfalls unklar. Unabhängig vom Ausgang der parlamentarischen Untersuchung wird die Kronprinzessin Experten ­zufolge nicht zuletzt auch aufgrund der Skandale um ihren Sohn Marius – er steht wegen Vergewaltigungsvorwürfen vor Gericht – aus der Öffentlichkeit verschwinden; was unverfänglich zu erklären wäre, schließlich ist sie schwer an Lungenfibrose erkrankt.