Menschen auf Glatteis
Wir Pinguine versammeln uns jedes Mal geschlossen vor dem großen, flimmernden Eisfenster (ihr nennt es »Fernseher«), wenn die Olympischen Winterspiele beginnen. Nicht aus Solidarität. Sondern zur Weiterbildung. Man muss ja wissen, was die Konkurrenz so treibt, wenn sie wieder einmal versucht, unseren Lebensraum als »Eventfläche« zu deklarieren.
Zunächst einmal: Abfahrt. Ein Mensch steht oben auf einem Berg. Einem Berg. Aus Eis. Und beschließt freiwillig, sich auf zwei dünnen Brettern Richtung Tal zu katapultieren. Wir Pinguine schauen uns an und sagen: »Ah, wieder das alljährliche Menschen-gegen-die-Gravitation-Spektakel.« Der Start sieht immer gleich aus: konzentrierter Blick, dramatisches Atmen, dann Vorbeugen und zack, übernimmt die Physik. Was folgt, ist eine Mischung aus Eleganz und latentem Kontrollverlust. Und wenn es schiefgeht, passiert das Beste am ganzen Wettbewerb: diese monumentale Schneewolke beim Sturz. Eine Explosion aus Weiß, als hätte jemand ein riesiges Federkissen mit Höchstgeschwindigkeit beleidigt. Wir klatschen mit den Flossen. Nicht aus Mitgefühl. Sondern wegen der Ästhetik. 9 von 10 Punkten für Spray.
Dann kommt Bobfahren. Mehrere Menschen rennen wie aufgescheuchte Möwen neben einer überdimensionierten Konservendose her, springen hinein und rasen durch einen Eiskanal, der aussieht wie unsere Rutschbahn, nur mit Betonwänden und Werbung. Wir fragen uns: Warum nicht einfach rutschen? Bauch, Schwung, fertig. Aber nein, sie müssen sich in eine Metallwanne pressen und mit 140 km/h durch Kurven schießen, bei denen selbst wir sagen: »Vielleicht etwas langsamer?« Besonders amüsant ist der Moment, wenn das Gefährt leicht ins Schlingern gerät und alle Gesichter im Bob denselben Ausdruck haben: »War das so geplant?« Spoiler: meistens ja. Angeblich.
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