Jungle+ Artikel 26.02.2026
Ein etwas anderer Blick auf die Olympischen Winterspiele

Menschen auf Glatteis

Was Pinguine von den Olympischen Winterspielen halten.

Wir Pinguine versammeln uns ­jedes Mal geschlossen vor dem großen, flimmernden Eisfenster (ihr nennt es »Fernseher«), wenn die Olym­pischen Winterspiele beginnen. Nicht aus Solidarität. Sondern zur Weiterbildung. Man muss ja wissen, was die Konkurrenz so treibt, wenn sie ­wieder einmal versucht, unseren ­Lebensraum als »Eventfläche« zu ­deklarieren.

Zunächst einmal: Abfahrt. Ein Mensch steht oben auf einem Berg. Einem Berg. Aus Eis. Und beschließt freiwillig, sich auf zwei dünnen ­Bret­tern Richtung Tal zu katapultieren. Wir Pinguine schauen uns an und sagen: »Ah, wieder das alljähr­liche Menschen-gegen-die-Gravita­tion-Spektakel.« Der Start sieht immer gleich aus: konzentrierter Blick, dramatisches Atmen, dann Vorbeugen und zack, übernimmt die Physik. Was folgt, ist eine Mischung aus Eleganz und latentem Kontroll­verlust. Und wenn es schiefgeht, ­passiert das Beste am ganzen Wettbewerb: diese monumentale Schneewolke beim Sturz. Eine Explosion aus Weiß, als hätte jemand ein riesiges Feder­kissen mit Höchstgeschwin­digkeit beleidigt. Wir klatschen mit den Flossen. Nicht aus Mitgefühl. ­Sondern wegen der Ästhetik. 9 von 10 Punkten für Spray.

Dann kommt Bobfahren. Meh­rere Menschen rennen wie aufge­scheuchte Möwen neben einer überdimensionierten Konservendose her, springen hinein und rasen durch einen Eiskanal, der aussieht wie unsere Rutschbahn, nur mit ­Betonwänden und Werbung. Wir fragen uns: Warum nicht einfach rutschen? Bauch, Schwung, fertig. Aber nein, sie müssen sich in eine Metallwanne pressen und mit 140 km/h durch Kurven schießen, bei denen selbst wir sagen: »Vielleicht etwas langsamer?« Besonders amüsant ist der Moment, wenn das Gefährt leicht ins Schlingern gerät und alle Gesichter im Bob denselben Ausdruck haben: »War das so geplant?« Spoiler: meistens ja. Angeblich.

Noch kein Abonnement?

Um diesen Inhalt zu lesen, wird ein Online-Abo benötigt::