Jungle+ Artikel 26.02.2026
Das neue Album der Sleafords Mods und ihre Unterstützung von zwei antiisraelischen Aufrufen

Fluchen als Kunstform

Eine Krise jagt die nächste, das wissen auch die Sleaford Mods – und haben mit »The Demise of Planet X« mal wieder ein Album über den nicht sehr guten Zustand der Welt gemacht. Nicht gut war auch die Unterstützung der Band für mehrere israelfeindliche Initiativen – dabei äußert sich Sänger Jason Williamson differenzierter, als man es aus dem antizionistischen Milieu gewohnt ist.

Ein lautes, schrilles Lachen: Damit beginnt »The Demise of Planet X«, das 13. Studioalbum der Sleaford Mods. Pure Ironie, denn angesichts der Themen, die auf der Platte verhandelt werden, gibt es eigentlich nichts zu lachen. Zum Glück hat die Band aus dem englischen Nottingham das Fluchen schon lange zur Kunstform erhoben.

Auch den Live-Auftritten des Duos eilt ein Ruf voraus. Der Produzent Andrew Fearn, der seit 2012 dabei ist, macht sich in der Regel ein Flasche Bier auf und dann die Musik auf seinem Laptop an, Jason Williamson bellt dazu in sein Mikrophon und kotzt sich über die Welt aus: über Uringeruch, den »Brexit«, die Tories, Obdachlosigkeit und harte Jobs.

­Williamson hat bereits in Klamottenläden, für den Gemeinderat und auf einem Geflügelschlachthof geschuftet. 2007 erschien die erste Fassung des Songs »Jobseeker«, in dem es um die Arbeit des Tötens von Hühnern, Arbeitslosigkeit und einen Flyer über Depressionen geht. Das Lied zählt heute zu den bekanntesten Songs der Band, die Fans für ihre ­realness schätzen. Damit Menschen mit wenig Geld ihre Gigs besuchen können, bieten die Sleaford Mods auch für ihre derzeitige Tour vergünstigte Tickets über ihre Mailing-Liste an.

Williamson sagte, dass die Menschen, die momentan Solidaritätsbekundungen forderten, solche seien, die sich vor dem 7. Oktober nicht für Palästinenser:innen interessiert hätten: »None of these people gave a fuck.«

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