Jungle+ Artikel 05.03.2026
Antifaschistische Arbeit in Ungarn

Auf dem Weg zur Meinungsgleichheit

Antifaschist:innen haben es derzeit besonders schwer in Ungarn. Probleme, so berichten sie der »Jungle World«, bereitet ihnen weniger die organisierte extreme Rechte, sondern die Regierung unter Viktor Orbán. Dass antifaschistische Gruppen als Terrororganisationen gelistet wurden, war nur die jüngste einer Reihe von Maßnahmen, die darauf abzielen, abweichende Meinungen zum Schweigen zu bringen.

Am 12. Februar fand der »Tag der Ehre« in Budapest statt. Das Event erinnert an den Ausbruchsversuch deutscher und ungarischer Truppen aus der von der Roten Armee belagerten Stadt Anfang 1945 und stellt seit Jahren eine der wichtigsten Veranstaltungen militanter Neonazis europaweit dar. Nun bereits zum 29. Mal zogen wieder mehrere Tausend von ­ihnen, zum Teil verkleidet als Wehrmachts- oder SS-Soldaten, an den Ort der einstigen Kampfhandlungen. Seit einigen Jahren stößt die Veranstaltung vermehrt auf Medieninteresse, was nicht zuletzt an den Gerichtsverfahren gegen Linke aus Deutschland und Italien liegt, denen vorgeworfen wird, 2023 Teilnehmer des »Tags der Ehre« angegriffen zu haben.

Doch Gefahr droht ungarischen Antifaschist:innen weniger von den Besuchern neonazistischer Reenactments als von der Regierung unter Ministerpräsident Viktor Orbán. In einem Text unter dem Titel »2026 – Was ist zu erwarten« stellt die Antifaschistische Aktion Budapest auf ihrem Blog sogar fest: »Für Nazi-Gruppen besteht kein erkennbares größeres Mobilisierungspotential.« Egal ob es sich um politische Organisationen oder eher subkulturell geprägte Zusammenschlüsse handelt, erreichen diese maximal ­wenige Hundert Personen, den ungarischen Antifaschist:innen zufolge. ­Zudem sind diese Gruppierungen für jüngere Menschen eher uninter­essant.

»Antifaschismus gilt als verbrecherisch, so bleiben nur sehr wenige Möglich­keiten für legale und öffentliche Aktivitäten.«  Ein autonomer Antifaschist über die Lage in Ungarn

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