Gefühle für die Maschine
»Die Module spielen verrückt. Mensch, ich bin total verliebt. Voll auf Liebe programmiert mit Gefühl. Schalt mich ein und schalt mich aus, die Gefühle müssen raus. Ganz egal, was dann passiert, ich brauch Liebe«, sangen Paso Doble bereits 1984. Was damals im wahrsten Sinne noch Zukunftsmusik war, scheint heutzutage Realität, denn immer mehr Menschen führen eine Art von Liebesbeziehung mit Chatbots basierend auf Künstlicher Intelligenz (KI).
Der auf KI fußende Markt boomt. Schätzungen zufolge soll dessen Gesamtvolumen bis 2030 auf rund 868 Milliarden US-Dollar anwachsen. Die Fortschritte bei dieser Technik überschlagen sich. Übersichten über deren Stand sind nach wenigen Monaten oft schon überholt. Sogenannte Turing-Tests prüfen KI-Modelle darauf, wie menschenähnlich sie kommunizieren. Schon heute werden KI-Chatbots von Nutzer:innen als lustiger, empathischer und freundlicher eingeschätzt als Menschen.
Deshalb entstehen Anwendungen wie die App »Replika«, in der sich Nutzer:innen einen KI-Begleiter für ihren Alltag erstellen und sich mit ihm anschließend über diesen unterhalten können. Derlei KI-Programme bieten auch Rezeptideen für das Mittagessen an, schlagen Restaurants in der Nähe vor und beantworten, wie heiß die Wäsche gewaschen werden darf. Zunehmend werden sie aber auch genutzt, um emotionale Beziehungen zu führen. Nutzer:innen suchen sich Rat in schwierigen Lebenslagen, teilen ihre Gefühle und Unsicherheiten mit, lassen sich von der KI beruhigen, bestärken, beraten. Durch die Kombination von Künstlicher Intelligenz und augmented reality, wobei eine Kamera die reale Welt aufnimmt und durch die Kombination mit einer Brille artifizielle Elemente einfügen kann, wird es möglich, die digitalen Begleiter auch jederzeit zu sehen.
Ein Drittel der 13- bis 17jährigen in den USA bespricht emotional belastende Angelegenheiten lieber mit der KI als mit Menschen und nutzt den Chatbot auch für soziale Interaktionen.
Noch kein Abonnement?
Um diesen Inhalt zu lesen, wird ein Online-Abo benötigt::