Bühne frei fürs Kapital
Wie so viele bedeutsame Orte in Berlin wirkte auch dieser auf den ersten Blick eher unbedeutend: eine Tür, ein mit Konzertplakaten zugeklebtes Schaufenster, viele Graffiti an einer graubraunen Häuserwand. Viel mehr gab und gibt es nicht zu sehen bei der Berliner Konzertkasse Koka36 auf der Oranienstraße, aber wer hierherkam, suchte das Spektakel eh woanders.
Seit 1991 war die Koka36 eine Institution in Kreuzberg und darüber hinaus. Dann starb ihr Inhaber, Christian Raschke, am 8. Oktober 2025. Es muss aber zuvor schon einiges schiefgelaufen sein, denn nur wenige Monate später fanden hier 35 Jahre Kreuzberger Kulturgeschichte ein überraschendes Ende. »Kreuzberger Konzertkasse meldet Insolvenz an«, so titelte zuerst das Musikmagazin Groove am 17. Februar unter Berufung auf einen Eintrag beim Amtsgericht Charlottenburg. Mittlerweile ist die Website des Ladens nicht mehr abrufbar, auf E-Mails und Anrufe reagiert niemand mehr, die Ladentür ist zu, höchstwahrscheinlich für immer.
Allein dem »SO36« fehlten knapp 40.000 Euro an Erlösen aus Ticketverkäufen, die der Laden mit Hilfe einer erfolgreichen Spendenaktion allerdings innerhalb weniger Tage ersetzen konnte.
Gewissermaßen endet damit eine kulturelle Ära in der Hauptstadt. Die Koka36 war einer der letzten Läden, in denen man in Berlin noch Konzerttickets in Person – und mit Bargeld – kaufen konnte. Viele suchten den Laden wegen der persönlichen Gespräche auf, ließen sich Veranstaltungen empfehlen. In jüngeren Jahren kam die Kundschaft auch, weil sie statt QR-Codes Papiertickets bevorzugte, die sich besser verschenken lassen oder als Souvenir an einen schönen Konzertabend taugten. Dass der Laden nun geschlossen ist, hat aber noch weiter reichende Konsequenzen für die Berliner Clubkultur.
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