Jungle+ Artikel 23.04.2026
In Venezuela bleibt das autokratische System unangetastet

Traditionsreiches Modell

Seit mehr als 100 Tagen regiert die von den USA mittlerweile offiziell anerkannte Interimspräsidentin Delcy Rodríguez in Venezuela. Gefällig öffnet sie das Land den US-amerikanischen Wirtschaftsinteressen und festigt ihre eigene Macht und die ihrer Klientel im fortbestehenden autokratischen System.

Venezuela hat die USA besiegt – im Baseball. Venezuelas Interimspräsidentin Delcy Rodríguez nahm den Titelgewinn bei der Weltmeisterschaft in dieser Sportart zum Anlass, den 18. März kurzerhand zu einem nationalen Feiertag auszurufen. Und tatsächlich feierten Tausende in den Straßen Caracas’ ebenso ausgelassen wie viele der etwa acht Millionen Venezolaner:innen im Ausland. Ein Moment parteiübergreifenden Nationalstolzes in einem Land, das seit der Militäraktion der USA im Januar, bei der Präsident Nicolás Maduro festgenommen wurde, wesentliche Entscheidungen von der US-Regierung diktiert bekommt. Und wesentlich war für US-Präsident Donald Trump der Zugang zu Öl und anderen Rohstoffen. Dafür braucht er politische Stabilität, nicht Demokratie.

Deshalb lässt er auch die Friedensnobelpreisträgerin und prominenteste Oppositionspolitikerin María Corina Machado abblitzen. Dabei liegt diese ideologisch ganz auf der Linie des Trump-Lagers. Als ihr Vorbild nennt sie Margaret Thatcher, sie hat gute Kontakte zu Argentiniens Präsident Javier Milei und ist Teil der antikommunis­tischen Organisation Foro de Madrid. Bei einer Umfrage des brasilianischen Marktforschungsunternehmens Atlas Intel im März zum Eindruck, den unterschiedliche – auch internationale – Politiker bei den Venezolaner:innen hinterlassen, gaben 53 Prozent der Befragten an, ein positives Bild von Machado zu haben, von Rodríguez lediglich 27. (Auch von Trump haben 48 Prozent der Venezolaner ein positives Bild – lediglich 27 Prozent haben eine schlechte Meinung von ihm.)

Delcy Rodríguez hat das halbe Kabinett und die Militärführung ausgetauscht. Das ist aber kein Zeichen für eine demokratische Öffnung, eher für die Umverteilung zwischen einflussreichen Familien.

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