30.04.2026
Wieso die Elektro-Roller trotz erhöhter Unfallgefahr cool sind

Mit dem E-Scooter in den Bundestag

Armin Laschet ist mit einem Roller hingefallen. Es geht ihm »den Umständen entsprechend gut«.

Der tapsige CDU-Politiker Armin ­Laschet kokettiert gerne damit, auf einem E-Scooter zum Bundestag zu fahren. Was cool und dynamisch rüberkommen soll, wirkt einiger­maßen lächerlich, aber ist ja nicht schlimm.

Niemand außer Armin ­Laschet erwartet Coolness von ­Armin Laschet, und gerade deshalb kann er nicht gänzlich uncool sein. So fuhr er neulich auch einem Deutschlandfunk-Moderator ­während eines Interviews in die ­Parade und warf ihm »Israel-Phobie« vor, was nicht nichts ist.

Ein Verkehrsmittel, das Fortschritt simuliert und Erwachsene aussehen lässt, als seien sie auf dem Weg zum Kindergeburtstag, bevor sie in der Notaufnahme landen: Das muss tiefschürfende Symbolik sein.

Auch gibt ­Laschet sich Mühe, lustig zu sein: Die EhrenGarde der Stadt Köln 1902, eine Karnevalsgesellschaft, die von ihren Anhängern »Spinat mit Ei« ­genannt wird, ernannte ihn zum ­Ehrensenator. Und während der Hochwasserkatastrophe von Erftstadt torpedierte er die Betroffenheitsrede des Bundespräsidenten mit ein paar sicherlich guten Gags. Die entsprechenden Filmaufnahmen sind ein moderner Meme-Klassiker.

Vor kurzem war Laschet wieder mit einem E-Scooter unterwegs. ­Leider hatte er einen Unfall und brach sich die Schulter. Als ich davon las, war mein Mitgefühl überpro­portional groß, denn auch ich erlitt vor drei Jahren durch ein Missgeschick mit einem dieser Teufelsdinger einen Knochenbruch. Ich hatte nur ein paar Pfandflaschen wegbringen ­wollen, es endete mit einem dop­pelten offenen Trümmerbruch des ­Unterarms, mehreren Operationen und monatelanger Physiotherapie.

Man könnte meinen, wir hätten dieses Trauerspiel geahnt, denn in der Zeit davor hatten meine Freunde und ich uns einen fragwürdigen Spaß daraus gemacht, die plötzlich allgegenwärtigen E-Scooter um­zutreten oder rumzuschmeißen. Es war beruflich.

Die Mediziner des FC Bayern

Seit meinem Unfall betrachte ich mit Sorge all die Narren, die sich zu zweit oder zu dritt auf einen Roller quetschen und Kunststücke aufführen. Gegen E-Scooter habe ich trotzdem nichts. Im Gegenteil, ich könnte faszinierter kaum sein. Ein Verkehrsmittel, das Fortschritt simuliert und Erwachsene aussehen lässt, als seien sie auf dem Weg zum Kindergeburtstag, bevor sie in der Notaufnahme landen: Das muss tiefschürfende Symbolik sein.

Wenige Tage nach mir brach sich auch Bayern Münchens Spieler Serge Gnabry den Unterarm. Mit einem ­E-Scooter war er allerdings nicht gefahren. Und während ich in den folgenden Wochen noch mit kaputtem Arm und höllischen Schmerzen im Krankenhaus lag, sah ich Gnabry bei meinem überteuerten Streaming-Dienst schon wieder Hochleistungssport betreiben. Die Mediziner des FC Bayern müsste man haben.