07.05.2026
»An Undying Love for a Burning World« von Neurosis

Alte Stärken

Das überraschend veröffentlichte zwölfte Studioalbum der Post-Metal-Pioniere Neurosis mit dem Titel »An Undying Love for a Burning World« entfaltet einmal mehr jene düstere Sogwirkung, die die Band auszeichnet.

Die Veröffentlichung von »An Undying Love for a Burning World«, dem zwölften Studioalbum der Post-Metal-Pioniere Neurosis, war in vielerlei Hinsicht eine Überraschung. 2022 hatte die Band publik gemacht, dass ihr Gründungsmitglied Scott Kelly über Jahre schwere psychische Gewalt gegen seine Familie ausgeübt hatte und bereits 2019 aus der Band geworfen worden war. Es sah so aus, als könnte das 2016 erschienene »Fires Within Fires« das letzte Neurosis-Album bleiben.

Textlich kreist das Album um psychischen Schmerz und Zerrissenheit – Reaktionen auf Klimawandel, persönliche Krisen und gesellschaftliche Unsicherheit. Musikalisch schlägt sich diese innere Not nieder in jenem für Neurosis typischen Wechsel aus brachialen, noisigen Ausbrüchen und ruhigen, harmonischen Passagen.

Dass nun am 20. März doch ein nicht groß angekündigtes Album folgte, wäre schon für sich genommen bemerkenswert gewesen – dass die Kalifornier dabei mit Aaron Turner einen Neuzugang präsentierten, der den avantgardistischen Metal selbst maßgeblich geprägt hat, ließ diese Rückkehr umso gewichtiger erscheinen. Der ehemalige Gitarrist und Sänger der zweiten großen Post-Metal-Band, Isis, und Gründer des einflussreichen Labels Hydra Head Records hatte zuletzt mit seiner Band Sumac neue Akzente im Genre gesetzt – und fügt sich hervorragend in das Bandgefüge ein.

Das Album selbst führt ästhetisch das bisherige Werk der Band fort. Textlich kreist es um psychischen Schmerz und Zerrissenheit – Reaktionen auf Klimawandel, persönliche Krisen und gesellschaftliche Unsicherheit. Musikalisch schlägt sich diese innere Not nieder in jenem für Neurosis typischen Wechsel aus brachialen, noisigen Ausbrüchen und ruhigen, harmonischen Passagen, getragen von den Gitarren Turners und Steve Von Tills.

Die Musik wirkt wie ein Sturm, in dem drohende Wolkenberge, sich entladender Blitz und Donner und kurze Momente der Ruhe aufeinandertreffen. Gerade weil Neurosis nicht versuchen, sich demonstrativ neu zu erfinden, sondern ihre alten Stärken verdichten, entfaltet »An Undying Love for a Burning World« jene düstere Sogwirkung, die die Band auszeichnet.


Albumcover

Neurosis: An Undying Love for a Burning World (Neurot Recordings)