Jungle+ Artikel 14.05.2026
Die antisemitische Anschlagsserie in London

Jagd auf Juden

Ein Messerattentat auf offener Straße ist der jüngste und gravierendste in einer Reihe von Angriffen auf Juden und jüdische Einrichtungen in London. Das mit dem Iran in Verbindung stehende Terrornetzwerk Harakat Ashab al-Yamin al-Islamia hat sich zu der Tat bekannt.

Der Anschlag geschah mitten am Tag. Am 29. April stach ein Attentäter im Stadtteil Golders Green in Nordlondon mit einem Messer auf zwei Männer ein, beide an ihrer Kleidung als religiöse Juden erkennbar. Den 34jährigen Shloime Rand überfiel der Täter nach Angaben der Londoner Polizei um 11.16 Uhr auf der Highfield Avenue. »Meine Lunge wurde verletzt. Es ist ein Wunder, dass ich am Leben bin und mit Ihnen reden kann«, sagt er später von seinem Krankenhausbett aus dem Fernsehsender Sky. Er kam vom Morgengebet in einer nahegelegenen Synagoge, als er angegriffen wurde, und trug einen schwarzen Kaftan und Hut, die typische Kleidung ultraorthodoxer Juden.

Das zweite Opfer, der 76jährige Norman Shine, wartete an einer Bushaltestelle auf der Golders Green Avenue. Die Aufnahmen der Sicherheitskameras zeigen, wie er sich seine Kippa zurechtrückte, unmittelbar darauf stach der Attentäter ihm in den Nacken. Auch er überlebte schwerverletzt.

Im Zusammenhang mit antisemitischen Brandanschlägen in London wurden bis Ende April 28 Personen festgenommen.

Kurze Zeit später wurde der mutmaßliche Täter, Essa Suleiman, ein 45jähriger britische Staatsbürger, von der Polizei und Mitgliedern der jüdischen Nachbarschaftsschutzorganisation Shomrim überwältigt. Bald wurde bekannt, dass er zuvor in Südlondon erfolglos versucht hatte, einen Mann namens Ishmail Hussein in dessen Haus mit einem Messer zu töten; offenbar kannten sich die beiden. Danach fuhr Suleiman nach Nordlondon. Dort habe er gezielt Jagd auf »jüdisch aussehende« Menschen gemacht, heißt es von Seiten der Londoner Polizei.

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