»Die Menschen haben Angst«
Wir sind hier in Barnet im Norden von London. Was ist das für eine Gegend, in der sich die jüngsten antisemitischen Attacken ereigneten?
In Großbritannien leben etwa 300.000 Juden, etwa die Hälfte davon in verschiedenen Gegenden in Nordlondon. Hier in Barnet ist jeder sechste Einwohner jüdisch. Die hier lebenden Jüdinnen und Juden sind sehr divers. In North Finchley gibt es eine progressive Synagoge, in Woodside Park die Straße runter eine orthodoxe. Im Bezirk gibt es noch eine weitere orthodoxe Synagoge, in Finchley die reformierte Synagoge, auf die Mitte April ein Brandanschlag verübt wurde. Die jüdische Bevölkerung ist hier allgegenwärtig. An vielen Türen hängen Mesusot.
Wie ist die Stimmung nach diesen Angriffen?
Die Menschen haben große Angst, und sie haben allen Grund dazu. Wir haben es hier mit zwei Phänomenen zu tun, die meiner Meinung nach unbedingt voneinander unterschieden werden müssen. Das ist meine persönliche Sichtweise, ich spreche nur für mich selbst. Da ist zum einen die staatlich gelenkte Gewalt, der wir derzeit ausgesetzt sind und die wahrscheinlich aus dem Iran kommt. Es gibt einige Personen, die später in diesem Jahr vor Gericht stehen werden, weil sie Informationen über jüdische Ziele gesammelt haben sollen. Die Personen, die Ende März die Brandanschläge auf vier Krankenwagen des jüdischen Rettungsdienstes Hatzolah verübt haben, sind mutmaßlich ebenfalls vom Iran rekrutiert worden. Das ist der eine Aspekt.
»Reform UK, die Partei von Nigel Farage, hat ein sehr instrumentelles Verhältnis zum Antisemitismus. Sie nutzt ihn, um gegen Muslime zu hetzen.«
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