Die Trauer in St. Peter-Ording
Alles kam dann ganz anders als gedacht und geplant. Es fing schon im Fahrstuhl nach unten an. Als ich am dritten Stock vorbeikam, war ich sicher, dass ich vergessen hatte abzuschließen. So etwas war mir in all meinen Jahren auf Erden noch nicht passiert, aber jetzt sagte ich mir, dass alles irgendwann zum ersten Mal geschieht.
Natürlich hatte ich abgeschlossen.
Ich fuhr wieder mit dem Fahrstuhl nach unten, und als ich aus dem Haus kam, wartete die Taxifahrerin unter der Platane und rauchte eine Zigarette. Ich bat sie, mich zum Dammtor zu fahren, und stellte den Koffer in den offenen Kofferraum.
Als sie auf die Straße hinausfuhr, sagte sie: »Dann fahren wir wohl besser über Rotherbaum. Am Grindelberg wird gebuddelt.«
Im Auto entstand eine seltsame Stimmung, als wir in die Gegenrichtung zum Ziel fuhren. Ihr eines Auge, das ich die ganze Zeit im Rückspiegel sah, sagte mir, dass sie mich einzuschätzen versuchte. Wie bekannt war ich eigentlich? Und konnte ich mich auf sie verlassen?
Ich ließ mir nichts anmerken. Es schneite immer heftiger. Die dicken Flocken, die in ihren Haaren gelandet waren, als sie unter der Platane stand, waren nun geschmolzen. Die Wassertropfen funkelten wie Diamanten im Licht von Ampeln und Straßenlaternen.
»Haben Sie es eilig?«
Wieder ihr Auge im Rückspiegel.
»Nein«, sagte ich. »Aber bitte, fahren Sie beim Dammtor auf die Rückseite. Da kann man leichter aussteigen.«
»Ganz wie Sie wünschen«, sagte sie.
Aber so sollte es also nicht kommen.
Noch kein Abonnement?
Um diesen Inhalt zu lesen, wird ein Online-Abo benötigt::