Jungle+ Artikel 14.05.2026
Die iranischen Revolutions­garden bekommen immer mehr Einfluss

Die Macht kommt aus den Gewehrläufen

Der Krieg mit den USA und Israel hat den Einfluss der Revolutions­garden im Iran noch verstärkt. Während die Institutionen der Islamischen Republik formal bestehen bleiben, verlagert sich die politische, militärische und wirtschaftliche Macht.

Während iranische Städte seit dem 28. Februar bombardiert und führende Militärs und Politiker getötet wurden, gelang es den Islamischen Revolutionsgarden (IRGC), ihre operative Handlungsfähigkeit aufrechtzuerhalten. Seit Kriegsbeginn häuften sich Berichte über den wachsenden Einfluss der IRGC auf wichtige politische Entscheidungen – bis hin zur Ernennung Mojtaba Khameneis zum neuen Obersten Führer, nachdem sein Vorgänger und Vater Ali Khamenei gleich zu Beginn des Kriegs getötet worden war. Der Krieg beschleunigt damit die Verlagerung politischer Macht von den Klerikern zu den Revolutionsgarden (Jungle World 8/2026).

Die Revolutionsgarden wurden wenige Monate nach der Islamischen Revolution im Iran 1979 von Ayatollah Ruhollah Khomeini als ideologisch gefestigte Parallelstreitkraft zur regulären Armee geschaffen. Prägend war die Erfahrung aus der Endphase der Herrschaft von Schah Mohammad Reza Pahlavi: Die Neutralitätserklärung der kaiserlich-iranischen Armee angesichts der Massenproteste im Land im Februar 1979 stellte einen entscheidenden Wendepunkt während der Revolution dar und besiegelte Pahlavis Sturz.

Das Staatsprinzip der Führung durch Geistliche bleibt zwar formal bestehen, doch die tatsächliche Entscheidungsgewalt verlagert sich immer stärker zu den Revolutionsgarden.

Genau deshalb misstraute Khomeini der bestehenden Armee und ihren Strukturen und zielte mit den Garden nicht nur auf den Schutz der Revolution, sondern wollte auch verhindern, dass es ihm ebenso ergehen könnte wie dem Schah, wenn ihm die staatlichen Streitkräfte die Gefolgschaft verweigern sollten. Der in der iranischen Verfassung festgeschriebene Auftrag der Revolutionsgarden – der »Schutz der Revolution und ihrer Errungenschaften« – ist bewusst weit gefasst und ermöglicht es, ihren Einfluss und ihre Befugnisse auf zahlreiche nichtmilitärische Bereiche flexibel zu gestalten – und auszudehnen.

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