Jungle+ Artikel 21.05.2026
Vor 97 Jahren – der Vagabundenkongress in der Weimarer Republik

Die kapitalistische Gesellschaft ins Wanken bringen

Schon in der Weimarer Republik gab es eine politische Selbstorganisation wohnungs- und obdachloser Menschen. Eine Kolumne über Wohnungs- und Obdachlosigkeit.

»Generalstreik das Leben lang!« lautete die Parole, mit der Gregor Gog und seine Mitstreiter 1929 zum ersten internationalen Vagabundenkongress aufriefen. Hunderte folgten dem Aufruf und versammelten sich vom 21. bis 23. Mai 1929 auf dem Stuttgarter Killesberg. Nun jährt sich der Kongress zum 97. Mal – ein guter Grund, zurückzuschauen.

Diejenigen, die sich auf den Weg nach Stuttgart machten und dort zu politischen Vorträgen, Diskussionen und einer Kunst­ausstellung zusammen­kamen, verstanden sich als Vagabunden und lebten aus unterschiedlichsten Gründen auf der Straße: ­Einige waren arbeitslos, ­andere waren Wander­ar­bei­ter oder als Kriegsversehrte aus dem Ersten Weltkrieg zurück­gekehrt.

Gregor Gog und die von ihm gegründete »Bruder­schaft der Vagabunden« verstanden die Vagabondage als ­Widerstand gegen die kapitalistischen Verhältnisse. 

Manche hatten sich bewusst für ein Leben auf Wanderschaft entschieden, waren Anarchisten, Künstler oder Anhänger der Wandervogelbewegung und wollten sich so den Zwängen der bürgerlichen Gesellschaft entziehen. Kurz: Es waren diejenigen, die Marx und Engels als »Lumpenproletarier« verächtlich gemacht hatten – also als eine soziale Gruppe, die sie nicht nur für arbeitsscheu und unzuverlässig hielten, sondern der sie zudem ein ­konterrevolutionäres Potential unterstellten.

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