21.05.2026
Netflix-Dokumentarfilm »Manosphere«

Harte Rechte

Der langjährige BBC-Journalist Louis Theroux befasst sich einem Netflix-Dokumentarfilm »Manosphere« mit muskelbepackten Influencern, die Einblicke ihn ihre frauenfeindlichen Ansichten und ihren kaum verhüllten Antisemitismus geben.

Der langjährige BBC-Journalist Louis Theroux ist bekannt dafür, mit den Protagonisten seiner Dokumentarfilme locker ins Gespräch zu kommen, damit die sich um Kopf und Kragen reden können. Bei seinem jüngsten Film »Manosphere« (seit März auf Netflix zu sehen) rannte er in dieser Hinsicht offene Türen ein.

Eine ganze Reihe muskelbepackter Influencer kann man dabei zusehen, wie sie ihre Weltsicht darlegen und zum Beispiel erklären, warum Frauen sich die Führung eines starken Mannes wünschen oder gerade ihre fragwürdigen ­»Investment-Tipps« der beste Weg sind, die »Matrix« der gewöhnlichen Existenz hinter sich zu lassen.

Dass Theroux ein renommierter Journalist ist, beeindruckt die interviewten Influencer nicht, denn sein Bizeps ist nicht der Rede wert, er protzt nicht mit fetter Uhr und Sportwagen und stimmt außerdem nicht in ihr frauenfeindliches ­Gerede ein.

Oft ist das unfreiwillig komisch, etwa wenn Theroux den notorisch antisemitischen Myron Gaines vom »Fresh and Fit«-Podcast zwingt, neben seiner tapfer lächelnden Freundin zu erklären, wie er sich das denn vorstelle mit der von ihm propagierten Polygamie. Beiden ist das sichtlich unangenehm und sie meint dazu nur, das werde man sehen, wenn es so weit ist; später erfahren die Zuschauer, dass sie sich getrennt haben.

Die Manosphere hat eine geradezu kindliche Vorstellung davon, was im Leben wirklich zählt ist. Die interviewten Influencer schauen häufig mit kaum verhülltem Mitleid auf den Dokumentarfilmer. Dass Theroux ein renommierter Journalist ist, beeindruckt sie nicht, denn sein Bizeps ist nicht der Rede wert, er protzt nicht mit fetter Uhr und Sportwagen und stimmt außerdem nicht in ihr frauenfeindliches ­Gerede ein.

Antifeminismus und Antisemi­tismus

Unheimlich an der Dokumentation ist, dass Theroux mit seiner ­ruhigen Art geradezu wie ein Relikt einer früheren Ära wirkt, auch ­medial. Im Laufe der Dreharbeiten kapieren einige der Influencer, dass sie in der Dokumentation womöglich nicht allzu gut wegkommen, und drehen gewissermaßen die Kamera um.

In Youtube-Livestreams stellen sie plötzlich Theroux zur Rede, zum Beispiel darüber, was er zum »Genozid in Gaza« zu sagen habe. Doch er sei ja eh »eine Marionette«, meint einer, und dürfe gar nicht sagen, was er denke. Auch das wird in der Dokumentation mehr als deutlich: Auf den Antisemi­tismus können sich die harten Kerle des Internets alle einigen.