21.05.2026
»Rape dog«-Vorwürfe gegen Israel in der »New York Times«

Bizarre Anschuldigung

Just am Tag vor dem Erscheinen eines umfassenden Berichts über die sexuelle Gewalt der Hamas am 7. Oktober präsentiert die »New York Times« eine fragwürdige Recherche über sexuelle Gewalt an Palästinensern durch israelische Sicherheitskräfte.

Was hat man in den vergangenen Jahren nicht alles gelesen über Delphine, die von Israel zu Spionen ausgebildet wurden; Wildschweine, die im Westjordanland gezielt eingesetzt wurden, um ­palästinensische Felder zu zerstören; Rinder, rekrutiert und ­trainiert, um als Lauschposten gegen Palästinenser zu fungieren; ­Ratten, die darauf getrimmt wurden, palästinensische Kinder im Gaza-Streifen zu attackieren; Haie, die vom Mossad ausgebildet wurden, um Menschen im Roten Meer anzugreifen.

Diese unvollständige Liste an Tieren, die von Israel ausgebildet worden sein sollen, um Palästinensern zu schaden, ist nun dank der New York Times um einen besonders bizarren Eintrag reicher. In ­einem kürzlich erschienenen Artikel schrieb Nicholas Kristof, dass Israel inner- wie außerhalb von Haftanstalten »systematisch« sexuelle Gewalt gegen Palästinenser einsetze, wofür er sich auf ­gerade mal 14 Betroffenenaussagen sowie die von »Familienangehörigen, Ermittlern und Beamten« berief, aber weder auf foren­sische noch medizinische Beweismittel stützte.

Der Autor Nicholas Kristof beruft sich auf Zeugen wie Sami al-Sai, die der Hamas nahestehen, ohne das zu erwähnen.

Zudem zog er vergangene UN-Berichte und die der israelischen Menschenrechts­organisation B’Tselem heran, die auf Grundlage Dutzender Zeugen­aussagen von sexueller Gewalt und Folter in israelischen Gefängnissen spricht. Zu den Vorwürfen, die Kristof in seinem Artikel erhob, gehört auch jener, Israel richte Polizeihunde darauf ab, paläs­tinensische Gefangene anal zu vergewaltigen – atemberaubende Vorwürfe, die sich im Wesentlichen auf anonyme Aus­sagen ohne nachprüfbare Details stützen.

Die wenigen namentlich Genannten lassen die Recherche nicht weniger fragwürdig erscheinen und hätten bei jedem um Seriosität bemühten Journalisten Alarmglocken schrillen lassen müssen. Denn Kristof beruft sich auf Zeugen wie Sami al-Sai, die der Hamas nahestehen, ohne das zu erwähnen, und auf angeblich Betroffene wie Issa Amro, der wenige Monate zuvor der Washington Post eine ganz andere Version dessen erzählt hatte, was ihm geschehen sein soll. Zunächst berichtete er lediglich davon, dass ihm Gewalt angedroht worden sei, während er Kristof dann erzählte, israe­lische Soldaten hätten ihm tatsächlich sexuelle Gewalt angetan.

Um Belege für die Vergewaltigungshunde steht es keineswegs besser: Die Behauptung geht auf einen Bericht aus dem Jahr 2024 zurück, veröffentlicht von einer dubiosen Organisation namens Euro-Med Human Rights Monitor, die Kristof als »eine in Genf ­ansässige Interessenvertretung« vorstellt, »die Israel häufig kri­ti­siert«.

»Das Blut paläs­­tinensischer ­Kinder trinken«

In Wahrheit weist die Organisation eine gut dokumen­tierte Nähe zur Hamas auf. Ihr Gründer Ramy Abdu traf sich mit ­Ismail Haniya, dem 2024 getöteten Vorsitzenden des Polit­büros der ­Hamas, nahm an einer Podiumsdiskussion mit Osama ­Hamdan teil, dem Sprecher der Terrorgruppe, und sagt Sachen wie: Israel habe »einen unstillbaren Appetit darauf, das Blut paläs­­tinensischer ­Kinder zu trinken«. Auch das verschwieg Kristof.

Seit dem Euro-Med-Bericht geistert der »rape dog«-Vorwurf in den einschlägigen Kreisen herum, propagiert etwa von der »Son­derbeauftragten für die besetzten palästinensischen Gebiete«, der selbst für UN-Maßstäbe obsessiven Israel-Hasserin Francesca ­Albanese.

Niemand, der auch nur als halbwegs respektabel gelten kann, hat ihn bislang aufgegriffen. Das ist alles andere als erstaunlich, denn es gibt nicht den geringsten Beleg, dass auch nur irgend­etwas ­daran stimmt, ganz abgesehen davon, dass Experten wie etwa dem ­renommierten Hundetrainer Brandon McMillan zu­folge die Ver­gewaltigung eines Menschen durch einen Hund praktisch und ­biologisch unmöglich sei.

Sys­tematisch begangene sexuelle Gewaltverbrechen der Hamas

Kristof hingegen stellt dieses offensichtliche Phantasieprodukt ganz selbstverständlich neben die anderen Vorwürfen und hält ­lieber den naheliegenden Gedanken, dass seine Quellen ihm ­zumindest zum Teil erfundene Geschichten erzählt haben könnten, für »weit hergeholt«.

Das Veröffentlichungsdatum des Artikels dürfte bewusst gewählt worden sein. Denn die New York Times wusste, dass einen Tag ­später der Bericht »Silenced No More« erscheinen würde. Dabei geht es um eine 300seitige Arbeit der israelischen Nichtregierungsorganisation The Civil Commission, die sich auf eine unerträgliche Fülle an forensischen Belegen, Aufnahmen von Körper­kameras, Aussagen von Überlebenden, Pathologen, medizinischem Personal, Rettungskräften und Augenzeugen stützt, und die sys­tematisch begangenen sexuellen Gewaltverbrechen der Hamas an ­Israelis am 7. Oktober 2023 und an den Geiseln dokumentiert. Ein Schelm, wer dabei denkt, Kristofs Artikel könnte dazu gedient ­haben, dem Bericht über die sexuelle Gewalt der Hamas die öffent­liche Aufmerksamkeit abspenstig zu machen.

Der vorletzte Satz in Kristofs Artikel lautet: »Die schrecklichen Misshandlungen, denen israelische Frauen am 7. Oktober aus­gesetzt waren, erleiden nun Tag für Tag Palästinenser.« Deutlicher hätte er die skandalöse Absicht hinter all den dürftig belegten ­Behauptungen und Horrorlügen kaum ausdrücken können.