Wandel in Ipiales
Ipiales und Pasto. Das erste Wandbild zeigt einen hageren Mann vor einem Feuer, der auf eine Portion Suppe wartet. Ein paar Meter weiter ist eine Frau mit Kanistern an einer Wasserstelle. Sie repräsentiert diejenigen, die kein fließendes Wasser in ihrer Wohnung haben. Etliche Häuser am zentralen Platz von Ipiales, einer Stadt im Südwesten Kolumbiens, sind bedeckt mit solchen Wandmalereien über gesellschaftliche Themen.
Am Ende des Platzes befindet sich das Frauenhaus, ein helles, großes Gebäude. »Es wurde erst vor ein paar Monaten vom Bürgermeister eingeweiht«, sagt Vanesa Rojas. Die 21jährige gehört zu den jungen Leuten in der Stadt, die etwas für Wandmalereien und soziales Engagement übrig haben. Sie studiert Informatik und Betriebsmanagement in Ipiales. Selbständig zu sein, etwas aufzubauen, das sind ihre Ziele. »Das Haus ist ein Anlaufpunkt für alle Frauen, die Hilfe benötigen, die sich koordinieren wollen, die aktiv sind«, sagt sie.
Ipiales liegt nur ein paar Kilometer von der ecuadorianischen Grenze entfernt. Die Situation in der Grenzregion ist derzeit schwierig. »Zwischen der erzkonservativen Regierung Ecuadors unter Präsident Daniel Noboa und der linken Regierung von Präsident Gustavo Petro gibt es einen Konflikt, der von Noboa geschürt wird«, so Rojas. »Ecuadors Präsident hat die Zölle auf 100 Prozent hochgesetzt, weil er unserer Regierung vorwirft, nicht genug gegen Kriminalität und Drogenschmuggel zu tun.« Immerhin sollen am 1. Juni die ecuadorianischen Strafzölle auf 75 Prozent sinken, konservative Parteien in Kolumbien hatten vermittelt.
Der Vater von Camila Diaz Quiroz verschwand, als sie zwölf Jahre alt war. »Er war ein einfacher Bauer, er baute das Einzige an, was unserer Familie ein Auskommen ermöglicht: Koka«, sagt sie.
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