Jungle+ Artikel 04.06.2026
Der Sudan ist Schauplatz eines Konflikts um regionale Vorherrschaft

Krieg ohne Grenze

Im vierten Jahr nach Kriegsbeginn liegt der Sudan in Trümmern. Millionen hungern oder sind auf der Flucht. Der Konflikt droht, die gesamte Region zwischen Nil, Rotem Meer und dem Horn von Afrika zu destabilisieren.

Khartoum ist eine Ruinenstadt. Wo einmal gehandelt, studiert oder geheilt wurde, stehen ausgebrannte Häuser und geplünderte Kliniken. Mehr als drei Jahre nach Kriegsbeginn ist der Sudan längst nicht nur Schauplatz einer humanitären Katastrophe – das Land ist auch zum Brennpunkt eines Machtkampfs geworden, der weit über seine Grenzen hinausreicht.

Der Krieg begann am 15. April 2023. Zwei Träger des sudanesischen Staats, die sich jahrelang gegenseitig stützten, richteten plötzlich ihre Waffen aufeinander. Auf der einen Seite stehen die sudanesischen Streitkräfte (SAF) unter Abd al-Fattah al-Burhan, die seit Jahrzehnten das Machtmonopol der arabisch-islamischen Führung in der Hauptstadt Khartoum sichern. Dieses Zentrum behauptete seine Herrschaft bereits in zwei langen Bürgerkriegen ­gegen Bewegungen, die mehr regionale Selbstbestimmung forderten.

Auf der anderen Seite stehen die paramilitärischen Rapid Support Forces (RSF) unter Mohammed Hamdan Dagalo, genannt Hemedti. Sie geben vor, für die entrechteten Regionen außerhalb des Machtzentrums zu kämpfen. Tatsächlich ist der Krieg seit 2023 vor allem ein brutaler Machtkampf rivalisierender Militär- und Milizorganisationen.

Das Gesundheitssystem ist nahezu kollabiert. Krankenhäuser wurden bombardiert, geplündert oder von bewaffneten Gruppen besetzt. 

Burhan und Hemedti 2019 halfen sich gegenseitig beim Sturz des Langzeitherrschers Omar al-Bashir. Gemeinsam beseitigten sie 2021 auch die zivile Übergangs­regierung. Dann zerbrach ihr Bündnis. Es ging um Macht, Geld, Einfluss und um die Frage, wer künftig die bewaffneten Kräfte im Land dominiert. Inzwischen ist der Sudan faktisch zwischen Gebieten der SAF und der RSF aufgeteilt.

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