11.06.2026
Ein Tag in Friedrichshain

Der analoge Mann

Aus Kreuzberg und der Welt: Ein Tag in Friedrichshain
Der-analoge-Mann-Urban-Spree

»Jim Avignon malt 24 Stunden ein Wandbild im ›Urban Spree‹. Wollen wir da hin?« fragt Julia am Samstagvormittag. Wenig später machen wir uns auf nach Friedrichshain.

Als wir ankommen, hat er schon anderthalb Wände bemalt. Ein paar Leute stehen im Ausstellungsraum und sehen ihm beim Malen zu. Ein DJ legt Platten auf.

Wir gehen in den Biergarten und zeichnen Szenetypen und Touristen. Die Sonne scheint, Freunde kommen dazu. Julia holt Falafel.

Plötzlich ist es schon sechs Uhr und wir haben vier Stunden gezeichnet. Jim Avignon ist drinnen mittlerweile ein paar Meter weiter. Mit wie viel Energie er dabei ist, ist beeindruckend. 24 Stunden zu malen, ist sehr sportlich. Wir brechen auf.

Die geballte Punkigkeit der viele Punkopas und -omas überrascht mich etwas.

Ein paar Minuten später erreichen wir die »Fiesta Kreutziga«, das jährlich stattfindende Straßenfest in der Kreutzigerstraße. Die geballte Punkigkeit der viele Punkopas und -omas überrascht mich etwas. Am Ende der Straße sehen wir dann auch jüngere Punkeltern mit ihren Kindern.

Auf der Bühne spielt die Frauenpunkband Häwi Mädels, die es auch schon seit Anfang der Neunziger gibt. In dem Moment denke ich: Statt auf meinem Klassentreffen in Buxtehude zu sein, das am selben Abend stattfindet, bin ich hier. Ich kenne zwar niemanden, aber die alten Punks sind zumindest aus meiner Generation. In ihrer Faltigkeit sehe ich meine eigene.

Meine damaligen Mitschüler in Buxtehude, die vor 40 Jahren Abitur gemacht haben, hätte ich wahrscheinlich auch nicht wiedererkannt. Abitur habe ich nicht gemacht, ich ging nach der 11. Klasse ab. In Buxtehude hätte ich gefremdelt, aber ich fremdele auch hier bei den Punks.

Zum Glück ist Julia da. Als sie müde wird und nicht mehr stehen will, gehen wir nach Hause.